INKA+ – Die Netzwerkveranstaltung aus dem Burgenlandkreis lädt in das Kunstkraftwerk Turbinenhaus in Naumburg ein

INKA+ – Die Netzwerkveranstaltung

aus dem Burgenlandkreis lädt in das

Kunstkraftwerk Turbinenhaus

in Naumburg ein

„Zusammen wachsen, um zusammenzuwachsen.“/Vi-Strategie GmbH unter den Gästen/Modell für Mitteldeutschland

2017 entstand die Idee, geboren durch die Design- und Kreativagentur TRANSMEDIAL unter Führung von Hoang Huy Tran, die Chancen der Digitalisierung auch in der lokalen Wirtschaft zu nutzen. Ziel war es, die Kompetenzen der wirtschaftlichen Netzwerkstrukturen in Sachsen-Anhalt zu bündeln, zu erweitern und entsprechend zu präsentieren. Dieser Vision wurde der Name INKA+ verliehen. Die Interaktive Karte für den Burgenlandkreis ist eine digitale Plattform, welche es Unternehmen ermöglicht, sich miteinander zu vernetzen und Informationen über Veranstaltungen, Stellenangebote und Aktuelles aus der Region zu veröffentlichen.

Zunächst startete die INKA+ als Testversion. Nach einer einjährigen Testphase hat die Design- und Kreativagentur TRANSMEDIAL Wünsche und Probleme der lokalen Unternehmen abgefragt und analysiert. Nach der Auswertung wurde ein vollständiges Re-Design vorgenommen.

Im Rahmen dieses Re-Designs lud die Design- und Kreativagentur TRANSMEDIAL am 28. März 2019 zur INKA+ Netzwerkveranstaltung in das Kunstkraftwerk Turbinenhaus in Naumburg ein.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde eine Videobotschaft des Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt, Herrn Thomas Wünsch, ausgestrahlt, der sein Bedauern zum Ausdruck brachte, nicht persönlich teilnehmen zu können. Er begleitete die Idee der INKA+ von Beginn an und wünschte dem Projekt für die Zukunft weiterhin viel Erfolg. Im Anschluss daran fand eine Podiumsdiskussion mit Thomas Böhm, Wirtschaftsamtsleiter Burgenlandkreis, Hoang Huy Tran, Creative Director und Inhaber der Design- und Kreativagentur TRANSMEDIAL, Dr. Sebastian-Tim Schmitz-Hertzberg, Projektträger für ZIM-Einzelprojekte, EuroNorm GmbH und Nils Sandvoß, Leiter der Förderberatung Unternehmenskunden der Investitionsbank Sachsen-Anhalt über die Digitalisierung, INKA+, den Strukturwandel in der Region und aktuelle Förderprogramme statt. Mit einer sehr unterhaltsamen Moderation führte Holger Salmen, Landesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren Sachsen-Anhalt 2018, durch den Abend.

Die Design- und Kreativagentur TRANSMEDIAL bot im Anschluss an die Podiumsdiskussion allen Teilnehmern die Möglichkeit, Fragen rund um die INKA+ an Informationsständen zu stellen und weitere Informationen zu erhalten. Abgerundet wurde die Netzwerkveranstaltung, die Raum zum intensiven Networking der anwesenden Unternehmen bot, durch eine Live-Band und ein gemeinsames Abendessen in der kulturellen Atmosphäre des Kunstkraftwerks Turbinenhaus.

Es war eine sehr gelungene Veranstaltung und die Vi-Strategie GmbH bedankt sich herzlich für die Einladung!

Autorin: Ann-Christin Stück, Projektleiterin der Vi-Strategie GmbH (siehe auch AKTUELLES vom 23.08.2018).

“Nur wer die Bedürfnisse seiner Kunden kennt, kann sein Geschäftsmodell danach ausrichten und wird langfristig erfolgreich sein.”

16. Mitteldeutsches Energiegespräch am 20. November 2018 in Leipzig

Nur wer die Bedürfnisse seiner Kunden kennt, kann sein Geschäftsmodell danach ausrichten und wird langfristig erfolgreich sein.”

Interview mit Dr. Johannes Kleinsorg, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Leipzig GmbH, aus Anlass des 16. MDEG zu neuen Geschäftsmodellen in der Integrierten Energiewende

Gern gesehener Gast im Mitteldeutschen Energiegespräch: Dr. Johannes Kleinsorg – Hier im 6. MDEG während eines Diskussionsbeitrages aus dem Auditorium. Foto: L.Z.

Sie gehören beide zu den sogenannten 8KU, einer Kooperation von 8 kommunalen Energieunternehmen, die mit Umsatzgrößen zwischen zwei und sechs Milliarden Euro nach eigener Aussage den Mittelstand der deutschen Energiewirtschaft bilden. Gemeint sind die Stadtwerke Leipzig GmbH und die Mannheimer MVV Energie AG.

Grund genug für das 16. Mitteldeutsche Energiegespräch, beide Unternehmen zur Herbst-Tagung am 20. November nach Leipzig einzuladen, um aus erster Hand über beiderseitigen Erfahrungen bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle zu hören und darüber zu diskutieren und Schlussfolgerungen zu ziehen.

Über die Diskussion berichtete AKTUELLES vom 20. November 2018. Die Interviews mit Dr. Holger Krawinkel (MVV Energie AG) sowie Ralf Kurtz (Einführungsvortrag PwC) erschienen in AKTUELLES vom 19. und 28. November 2018.

Nachfolgend wird nunmehr das Interview mit Dr. Johannes Kleinsorg, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Leipzig GmbH, veröffentlicht.

AKTUELLES dankt an dieser Stelle den Interviewten für die Gelegenheit des Gesprächs.

Sehen Sie bitte auch die entsprechenden Interviews im Film zum 16. MDEG.

Übrigens, mehr zu den 8KU finden Sie bitte auf www.8ku.de .


Der Einführungsvortrag über die “Geschäftsmodelle der Integrierten Energiewende – smart und innovativ” im 16. Mitteldeutschen Energiegespräch macht deutlich, wie regulierte Innovation des intelligenten Messwesens zu steigendem Wettbewerb und zur Ablösung des bestehenden Geschäftsmodells der Energielieferanten führen kann. Inwieweit sind die Leipziger Stadtwerke hierauf vorbereitet?

Insbesondere für die Wohnungswirtschaft ist der Umbau des Messwesens eine große Herausforderung. Doch das sogenannte Smart Metering bietet auch eine ganze Reihe von Vorteilen. Es beschleunigt und vereinfacht die gesamten Mess- und Abrechnungsprozesse wesentlich. Die digitale Erfassung und Übermittlung des Stromverbrauchs liefert Vermietern und Immobilienverwaltern eine diskussionsfreie Grundlage zur Abrechnung der Verbrauchsdaten.

Die Leipziger Stadtwerke bieten den Immobilienunternehmen schon jetzt eine effiziente und vollautomatisierte Lösung zur Prozessoptimierung an: die integrierte Abrechnung für Heiz- und Betriebskosten. Die Kunden sparen dadurch Zeit und Kosten – und das Jahr für Jahr.

Im Zuge der sogenannten Spartenbündelung wird sich die Digitalisierung des Messwesens neben Strom auf weitere Medien wie zum Beispiel Gas oder Wärme auswirken. Dadurch wird das Mess- und Abrechnungsprozedere weiter vereinfacht. Wir wollen noch weiter gehen und unseren Kunden Messdienstleistung und Energielieferung im Paket anbieten. So reduzieren sich die Austausch-Prozesse zwischen Messdienst, Lieferant und Kunde auf ein Minimum. Auch dafür stellen sich die Leipziger Stadtwerke schon jetzt auf, schließlich gehört das Messwesen neben der Energielieferung seit jeher zu unseren Kernkompetenzen.

Wie können Sie auf Ihre Kunden reagieren, inwieweit steuern Sie derzeit schon über Kundenanalysen die Einführung von neuen Geschäftsmodellen?

Unsere Kunden wollen sich weiter auf uns verlassen können und sie wollen Zukunftsorientierung. Die Wohnungen sollen warm bleiben, Strom und Gas zuverlässig zur Verfügung stehen. Großkunden wollen sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Leipzig und andere Kommunen wollen eine gute Infrastruktur und aktives Begleiten von Umwelt- und Klimaschutz.

Jeder Kunde hat andere Bedürfnisse und diese gilt es zu erfüllen. So bieten wir unseren Großkunden einen 360°-Lösungsansatz: von der Energieberatung, Energieeffizienzkonzepten über die klassische Energielieferung bis hin zu verschiedenen Möglichkeiten dezentraler Energieerzeugung sowie ganzheitliche Angebote zur Elektromobilität. Aber auch die Anforderungen unserer Privatkunden haben wir intensiv analysiert, sodass mit unserem neuen Portfolio für jeden der passende Tarif zur Verfügung steht. Nur wer die Bedürfnisse seiner Kunden kennt, kann sein Geschäftsmodell danach ausrichten und wird langfristig erfolgreich sein.

Die digitale Welt verändert den Charakter von Geschäftsprozessen und damit von Geschäftsmodellen, bringt neue hervor und drängt manche zurück. Was raten Sie kleineren Energieversorgern, die weder Kraft noch Möglichkeiten besitzen, sich derart umfangreich auf Künftiges einzustellen?

Wie erwähnt ist die Voraussetzung für das Bestehen am Markt, seine Kunden zu kennen und sein Geschäft entsprechend auszurichten. Marktbefragungen liefern die wesentlichen Erkenntnisse. Chancen haben diejenigen Unternehmen, die Kunden und Märkten intelligente und klare Lösungen für ihre komplexen Fragestellungen bietet. Und zwar schnell, umfassend und digital.

Allerdings macht den Erfolg eines Unternehmens nicht nur aus, für die richtigen Kundengruppen das richtige Angebot zu machen. Vielmehr ist es in einer sich rasant ändernden Welt wichtig, frühzeitig Trends und sich ändernde Kundenbedürfnisse erfassen können, um auf dieser Basis innovative Lösungen zu erarbeiten. Um diesen Anforderungen gerecht werden zu können, müssen zukünftig schnell neue und verschiedenartige Kompetenzen verfügbar gemacht werden. Dies bedeutet, dass Kooperationen und z.B. die Nutzung von White-Label-Lösungen weiter an Bedeutung gewinnen werden.

Wir sprachen eingangs davon, dass regulatorische Rahmenbedingungen disruptive Faktoren nach sich ziehen können oder sogar begünstigen. Welchen Einfluss hat Ihrer Meinung nach der Kundenwandel (Stichworte digital native, weniger Bindung an Marke und Produkt) auf neue Geschäftsmodelle?

Die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen, die den Anforderungen von Morgen gerecht werden, ist von enormer Bedeutung. Heute werden mit neuen Geschäftsmodellen die Weichen dafür gestellt. Die Herausforderung besteht darin, das Kerngeschäft mit diesen Aktivitäten so zu ergänzen, dass der „Startvorteil“ der bestehenden Kundenbeziehung bestmöglich genutzt wird. Dabei wird in der dezentralen Energiewelt Regionalität weiterhin eine große Rolle spielen. Insofern werden hier auch regionale Marken noch eine Bedeutung haben. Gerade Stadtwerke können als regionale Integratoren den Ausgleich von Angebot und Nachfrage sicherstellen und Kunden in der neuen Energiewelt vor Ort Orientierung geben.

Intern erfordern die Digitalisierung und der Energiemarkt der Zukunft eine ganzheitliche Herangehensweise: Wesentlich ist also, die richtige Strategie, Organisation und Unternehmenskultur gemeinsam zu entwickeln. Prioritäten müssen neu gesetzt werden – auf zukünftig profitable Bereiche, Produkte und Aktivitäten. Dabei sollten die strategische Ausrichtung und organisatorische Aufstellung aus der Perspektive der Kunden und Märkte entwickelt werden. Zum entscheidenden Erfolgsfaktor in einer zunehmend digitalen Welt mit erhöhter Veränderungsgeschwindigkeit wird die Unternehmenskultur. Hier kommt es auf ein enges Zusammenwirken zwischen den Bereichen und Mitarbeitern, neue Führungskompetenzen sowie das Organisieren von stabiler und agiler Arbeitswelt nebeneinander an.


Abschließend bitte noch einen Blick in die Glaskugel. Wir haben in diesem Jahr 20 Jahre liberalisierte Energiemärkte, das Mitteldeutsche Energiegespräch hat sein sechsjähriges begangen. Wie schätzen Sie unter dem Aspekt der eingangs erörterten neuen Geschäftsmodelle, aber auch der derzeitigen Zaghaftigkeit der Politik die Umsetzung der Integrierten Energiewende in den nächsten fünf Jahren ein?

Die Energiewende, neue technologische Möglichkeiten und die fortschreitende Digitalisierung stellen die Energieversorgung auf den Kopf. Wenn die Klimaschutzziele erreicht werden sollen – breit akzeptiert und mitgetragen von Wirtschaft und Verbrauchern – wird es darauf ankommen, konsequent dezentral, technologieoffen und wettbewerblich zu denken.

Belastbare politische Rahmenbedingungen sind Grundvoraussetzung für eine klimagerechte und wirtschaftliche Gestaltung der Energiewende.

Dies bedeutet, dass schnelle und klare Entscheidungen zum Beispiel zum Kohleausstieg, zur Entwicklung des Systems von Abgaben und Umlagen sowie zur weiteren Bedeutung von Kraft-Wärme-Kopplungstechnologie benötigen.

Ohne diese Rahmenbedingungen ist es für uns fast unmöglich für Energiewende erforderliche Investitionsentscheidungen zu treffen.

Wir als Stadtwerke wollen gerne Treiber der Energiewende sein, die Politik aber muss den Rahmen setzen.

Welche Rolle spielen die Stadtwerke in Zukunft?

Stadtwerke können die Energiewende dezentral voranbringen. Sie beherrschen die gesamten energiewirtschaftlichen Funktionen: die Erzeugung von Energie, die Verteilung über ihre Netze, den Handel als Ausgleich von Produktion und Bedarf und den Vertrieb als ganzheitlichen Lösungsanbieter. Diese Systemkompetenz gewinnt gerade vor Ort an Bedeutung.

Als Energiewende-Manager können Stadtwerke Ihren Kunden so Orientierung geben, die zunehmende Komplexität der Energieversorgung für sie managen und zudem mit regionalem Service stets nah bei ihnen sein. Genau das ist die Strategie der Leipziger Stadtwerke und wir sind überzeugt davon, dass wir damit auch in Zukunft eine herausragende Rolle in der Energieversorgung für Leipzig und Umgebung spielen werden.

Vita

Dr. Johannes Kleinsorg, geboren 06.05.1962 in Göttingen, ist studierter Volkswirt und seit 1998 in der Energiewirtschaft tätig. Beim Regionalversorger Fränkisches Überlandwerk AG verantwortete er den Stromvertrieb und war Gründungsgeschäftsführer einer Energiehandelsgesellschaft. Als Prokurist und Leiter des Geschäftsbereiches Marktmanagement der NERGIE AG war er für Vertriebsaktivitäten und Markenführung zuständig und zugleich Geschäftsführer der Frankengas GmbH. 2005 übernahm er die Geschäftsführung der 24sieben GmbH. Im Rahmen von Umstrukturierungen in der MVV‐Gruppe, zu der die Stadtwerke Kiel AG gehört, leitete er die 24/7 Trading GmbH, heute MVV Trading. Außerdem verantwortete er als Bereichsleiter der Stadtwerke Kiel AG die Geschäftsfelder Vertrieb und Handel, einschließlich Erzeugungsportfoliomanagement und Energiedienstleistungen.

Seit 01.09.2014 ist er Sprecher der Geschäftsführung der Leipziger Stadtwerke.

16. Mitteldeutsches Energiegespräch
am 20. November 2018 in Leipzig

16. Mitteldeutsches Energiegespräch am 20. November 2018 in Leipzig

Energiewende – smart und innovativ

Tour d´Horizon über denkbare, mögliche und neue Geschäftsmodelle

Das 16. Mitteldeutsche Energiegespräch gibt eine Tour d´Horizon über denkbare, mögliche und neue Geschäftsmodelle der Integrierten Energiewende, die durch den disruptiven Charakter der stattfindenden Prozesse zahlreiche Chancen, aber auch Risiken bieten.

Durch die Digitalisierung wird die Integrierte Energiewende eine neue Dynamik entfalten. Die Frage ist, wer sich mit welchen Geschäftsmodellen am Energiemarkt der Zukunft behaupten wird. Dabei spielen Schnelligkeit, Mut und Kreativität eine entscheidende Rolle.

Auch die Kunden werden davon künftig immer mehr profitieren.

Diskutieren Sie mit Experten das Thema in angenehmer Atmosphäre.

Nähere Einzelheiten zum Gespräch sowie den organisatorischen Ablauf entnehmen Sie bitte dem Flyer.

Diesen können Sie HIER ansehen.

Weitere Informationen zur Gesprächsreihe finden Sie bitte auch auf www.mitteldeutsches-energiegespräch.de.

“Kommunen sollten – sinnvollerweise im Verbund – einen Masterplan für ihre Region erstellen und diesen kontinuierlich überprüfen.”

15. Mitteldeutsches Energiegespräch zum Thema Breitband am 04. Juni 2018 auf Schloss Ettersburg

“Kommunen sollten – sinnvollerweise im Verbund – einen Masterplan für ihre Region erstellen und diesen kontinuierlich überprüfen.” (15*)

Interview mit Christoph Rathenow, Partner PricewaterhouseCoopers GmbH Deutschland

Die Digitalisierung hat eine strukturelle Veränderung in Gang gesetzt, die zunehmend alle Lebensbereiche erfasst.
Der Aufbau einer leistungsfähigen Netzinfrastruktur trägt zur Steigerung des Wirtschaftswachstums, der Beschäftigung und der Produktivität bei und steigert die Wettbewerbsfähigkeit ansässiger Unternehmen.

Dies gilt für die Industrie gleichermaßen wie für moderne Dienstleistungsbranchen. Aber auch für die Leistungserbringung öffentlicher beziehungsweise hoheitlicher Aufgaben in der Fläche gewinnt die Breitbandtechnologie zunehmend an Bedeutung, besonders vor dem Hintergrund abnehmender Bevölkerung in strukturschwachen oder ländlichen Räumen. Aus Anlass des 15. Mitteldeutschen Energiegespräches bat AKTUELLES zum Thema Breitband Christoph Rathenow, Partner PricewaterhouseCoopers GmbH Deutschland um ein Interview.

Christoph Rathenow
Partner bei PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Düsseldorf

Wohin entwickelt sich der Breitbandmarkt mittelfristig?

Der Trend geht eindeutig zu hochleistungsfähigen Gigabit/s-Netzen. In den nächsten 10 Jahren werden die Nutzer – allen voran Geschäftskunden – Bandbreiten von mindestens 1 Gigabit/s im Down- und Upload erwarten.


Werden in diesem Markt kommunale Unternehmen eine Rolle spielen ?

Die Ausgangslage kommunaler Unternehmen ist gut: Sie können wichtige Treiber für den weiteren Ausbau sei der Infrastruktur sein. Mit den örtlichen Verhältnissen sind sie bestens vertraut, zudem können sie Synergieeffekte durch einen spartenübergreifenden Tiefbau erzielen. Sie müssen aber bald entscheiden, ob sie sich in diesem Markt engagieren wollen – sonst wird die benötigte Infrastruktur von anderen Akteuren errichtet. Eines ist klar: Ohne verlässliche Kooperationspartner aus der Telekommunikationsbranche werden es die kommunalen Unternehmen sehr schwer haben.

Sind die Kommunen gut aufgestellt, um den Breitbandausbau zu beschleunigen?

Die kontinuierliche Umsetzung von Breitbandprojekten in den Gemeinden oder Landkreisen ist eine riesige Herausforderung für Kommunen. Die Rahmenbedingungen – z.B. Nachfrage, eigenes Engagement der TK-Netzbetreiber, Technologien – verändern sich fortlaufend. Kommunen sollten das Know-How bündeln und Mut für innovative Lösungen aufbringen. Wichtig ist, nicht nur die aktuellen Bedürfnisse im Blick zu haben, sondern auch langfristig zu planen.


Was ist zu tun, was raten Sie kommunalen Unternehmen und Kommunen?

Kommunen sollten – sinnvollerweise im Verbund – einen Masterplan für ihre Region erstellen und diesen kontinuierlich überprüfen. Im Dialog um Förderprogramme und rechtliche wie regulatorische Rahmenbedingungen sollten sie ihre Erfahrungen aktiv einbringen. Kommunale Unternehmen sollten zeitnah und ergebnisoffen ein verstärktes Marktengagement prüfen, geeignete Kooperationspartner finden und auch intern ein motiviertes, kompetentes Team zusammenstellen, welches das Thema Breitbandausbau vorantreibt.

Vita

Christoph Rathenow hat an der Universität zu Köln ein Studium der Betriebswirtschaftslehre (Diplom-Kaufmann) absolviert. Er ist seit 1991 bei PwC tätig und verantwortlicher Partner für die TK-Projekte im Bereich Breitband und Controlling. Herr Rathenow ist seit rund 20 Jahren in leitenden Positionen auf Projekten im Breitbandmarkt tätig.
Seine Schwerpunkte liegen in der Beratung von Telekommunikationsnetzbetreibern, Stadtwerken, Ländern und Kommunen im Rahmen von Breitbandprojekten sowie in der Leitung des betriebswirtschaftlichen
Regulierungsmanagement im Telekommunikationssektor

(*In loser Folge bittet der Verlag Vi-Strategie unter der Rubrik AKTUELLES Experten, Zeitzeugen und Persönlichkeiten der Zeitgeschichte um Antwort zu allgemein-interessierenden Fragen.
Im 15. Interview (Sehen Sie bitte auch AKTUELLES vom 04.06.2018 und vom 17.04.2018, ff) gibt aus Anlass des 15. Mitteldeutschen Energiegespräches Christoph Rathenow,
Partner PricewaterhouseCoopers GmbH Deutschland Auskunft über den “Breitbandausbau: Ein breites Band an Herausforderungen … mit großem Potential” (Sehen Sie bitte auch den
gleichnamigen Vortrag auf www.mitteldeutsches-energiegespräch.de und HIER). NACHDRUCK OHNE GENEHMIGUNG NICHT GESTATTET.)

“RUND 10.000 KM GLASFASERKABEL KANN AVACON BEREITS JETZT ZUR VERPACHTUNG AN PROVIDER UND KOMMUNEN ZUR VERFÜGUNG STELLEN.”

15. Mitteldeutsches Energiegespräch zum Thema Breitband am 04. Juni 2018 auf Schloss Ettersburg

“Rund 10.000 km Glasfaserkabel kann Avacon bereits jetzt zur Verpachtung an Provider und Kommunen zur Verfügung stellen.” (14*)

Interview mit dem Vorsitzenden des Vorstandes der Avacon AG Marten Bunnemann

Das 15. Mitteldeutsche Energiegespräch widmet sich dem Thema Breitband als wichtigem Faktor einer zukunftsfähigen Wirtschafts- und Versorgungsstruktur und reflektiert den 8. Thüringer Breitbandgipfel vom gleichen Tag in Erfurt.

“Wir gestalten den Weg in die Gigabit-Gesellschaft mit höchster Priorität.”, so heißt es hierzu im am 12. März 2018 unterschriebenen Koalitionsvertrag, “Deshalb wollen wir den flächendeckenden Ausbau mit Gigabit-Netzen bis 2025 erreichen. Wir wollen den Netzinfrastrukturwechsel zur Glasfaser. Unser Ziel lautet: Glasfaser in jeder Region und jeder Gemeinde, möglichst direkt bis zum Haus. Schulen, Gewerbegebiete, soziale Einrichtungen in der Trägerschaft der öffentlichen Hand und Krankenhäuser werden wir bereits in dieser Legislaturperiode direkt an das Glasfasernetz anbinden.
Dafür ist eine gemeinsame Kraftanstrengung von Telekommunikationsanbietern und Staat erforderlich. Wir gehen von einem öffentlichen Finanzierungsbedarf von zehn bis zwölf Milliarden Euro in dieser Legislaturperiode aus, die wir in einem Gigabitinvestitionsfonds verlässlich bereitstellen. Hierfür werden wir die Erlöse aus der Vergabe der UMTS- und 5G-Lizenzen zweckgebunden bereitstellen und wollen bis 2021 im Haushalt sicherstellen, dass das Fördervolumen insgesamt erreicht wird.”

Aus Anlass des 15. Mitteldeutschen Energiegespräches bat AKTUELLES zum Thema Breitband den Vorstandsvorsitzenden der Avacon AG in Helmstedt Marten Bunnemann um ein Interview.

Marten Bunnemann,
Vorsitzender des Vorstandes der Avacon AG, Helmstedt


“Die Energiewende wird nur zu Erfolg, wenn die Energiesysteme zunehmend intelligent miteinander verknüpft werden.
Der flächendeckende Breitbandausbau ist die Grundlage für vernetzte, digitalisierte Energieversorgung und moderne Kommunikation.
Die Verfügbarkeit hoher Bandbreiten ist zudem von entscheidender Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit und Standortsicherung  für Industrie und Gewerbe und sichert Arbeitsplätze in ländlichen Regionen.
Hierdurch wird die Attraktivität des ländlichen Raums als Wohnort erhöht und dem Trend der Landflucht entgegengewirkt.

Als modernes Energieunternehmen und zuverlässiger Partner der Kommunen treiben wir den Ausbau von Glasfasernetzen aktiv voran und leisten damit einen wichtigen Beitrag für die Menschen in der Region.”

Marten Bunnemann, Vorsitzender des Vorstandes der Avacon AG


Die Mitteldeutschen Energiegespräche beschäftigen sich mit verschiedenen Facetten der Energiewende. Wie schätzen Sie den derzeitigen Stand ein?

Mit Blick auf die Energieerzeugung hat sich in Deutschland in den letzten Jahren viel getan. Mit einem Grünstromanteil von 36 Prozent am Endverbrauch steht Deutschland auch im Vergleich recht gut da.
Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass wir noch lange nicht am Ziel sind: Denn trotz aller Anstrengungen stagnieren seit einigen Jahren die CO2-Emissionen, die Erreichung der für 2030 gesetzten Klimaschutzziele ist nach jetzigem Stand fraglich.
Das liegt daran, dass die Energiewende bislang fast ausschließlich im Stromsektor stattgefunden hat. Die energieintensiven Sektoren Wärme und Verkehr hinken bei der Nutzung Erneuerbarer Energien noch deutlich hinterher. Im Wärmesektor stammen erst 13 Prozent, im Verkehrssektor sogar nur 5 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen. Für eine erfolgreiche Energiewende müssen alle Sektoren berücksichtigt und miteinander verknüpft werden. Dafür brauchen wir intelligente Netze, Stichwort Digitalisierung.


Wie bewerten Sie die Energiewende im Hinblick auf die im politischen Raum erörterten Überlegungen (Stichwort Koalitionsvertrag)?

Im Koalitionsvertrag lassen sich erfreulicher Weise bereits einige wesentliche Punkte für die Energiewirtschaft wiederfinden. So ist zum Beispiel eine relativ starke Fokussierung auf den Netzausbau positiv zu bewerten. Es sollen weitere Anstrengungen zum Ausbau und zur Modernisierung der Energienetze unternommen, ökonomische Anreize für eine Optimierung der Netze und eine Reform der Netzentgelte angestrebt werden.

Auch die Anhebung des Ausbauziels für Erneuerbare Energien auf 65 % bis 2030 ist im Grundsatz positiv zu werten. Wichtig wird dabei aber sein, dass das Erneuerbare-Energien-Gesetz weiterentwickelt wird, der Ausbau kosteneffizient erfolgt und vor allen Dingen mit dem Netzausbau synchronisiert wird.
Auch das Thema Digitalisierung wird im Koalitionsvertrag angerissen und die Bedeutung der Digitalisierung für den Netzausbau betont. Leider sind aber die Ausführungen hierzu zu wenig präzise. Dies betrifft Insbesondere die Frage dezentraler, intelligenter Vernetzung sowie den Glasfaserausbau.


Wie ordnen Sie dabei die strategischen Ziele Ihres Unternehmens ein?

Die Energiewende tritt nun in ihre zweite Phase ein. Nachdem im ersten Schritt vor allem politisch verordnete und regulierte Ausbauvorgaben erneuerbarer Erzeugung erreicht werden sollten, wird die zweite Phase eine vom Kunden getriebene sein.

Ein wichtiger Treiber dieser Entwicklung ist der Megatrend Digitalisierung. Die digitale Kommunikation eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle und den Austausch mit Kunden und anderen Marktpartnern. Diese Entwicklung gestalten wir bei Avacon aktiv mit, indem wir einen starken Fokus auf das Thema Digitalisierung setzen und unser Unternehmen in dieser Richtung konsequent weiterentwickeln.

Nun beschäftigt sich das 15. Mitteldeutsche Energiegespräch mit dem Thema Breitband. Welche Fähigkeiten und damit Möglichkeiten kann Avacon bei der forcierten Umsetzung des Breitband- Ausbaus einbringen?

Glasfasernetze sind Grundlage für vernetzte, digitalisierte Energieversorgung und moderne Kommunikation. Der Aufbau von intelligenten Netzen ist notwendig, um Erneuerbare Energien besser einbinden und nutzen zu können. Die intelligente Verknüpfung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr ist nur durch digitale Kommunikation möglich, Stichwort Sektorenkopplung.

Die Themen Breitband und digitale Kommunikation sind für Avacon nicht neu. Bereits heute sind unsere Netze und Anlagen über einige tausend Kilometer Glasfaserkabel miteinander verbunden. Viele Prozesse und Steuerungen, die für einen sicheren und effizienten Netzbetrieb erforderlich sind, laufen über unsere moderne Netzleitstelle vollkommen digital gesteuert und automatisiert ab.

Durch die Anforderungen, die die Energiewende mit sich bringt und neue technologische Möglichkeiten der digitalen Kommunikation (z.B. Blockchain-Geschäfte, Cloudlösungen), bekommt das Thema Breitband aber neuen Schub. Das steigende Datenvolumen benötigt deutlich mehr Bandbreite als bisher.

Wir treiben den Ausbau des Glasfasernetzes aktiv voran und leisten damit einen wichtigen Beitrag für die Zukunft der Region. Als zuverlässiger Partner der Kommunen nehmen wir unsere Verantwortung wahr – insbesondere in ländlichen Gebieten. Rund 10.000 km Glasfaserkabel kann Avacon bereits jetzt zur Verpachtung an Provider und Kommunen zur Verfügung stellen.
Insbesondere bei Ortsnetzsanierungen und der Neubaugebiet-Erschließung verlegen wir Leerrohre für künftige Glasfaserleitungen oder in Kooperationen mit Internet-Providern auch die Leitungen. Hierbei übernehmen wir beispielsweise auch Beratungs- und Planungsleistungen für Kommunen.


Welche Rolle spielt der Kunde bei der Digitalisierung der Energiewirtschaft?

Bei aller technologischen Entwicklung dürfen wir nicht vergessen: Im Mittelpunkt steht der Mensch – und nicht die Technik. Der Kunde ist eine treibende Kraft für die Veränderungen der Energiewelt. Er nutzt und erzeugt Strom – Konsument und Produzent verschmelzen zum Prosumer. Verbunden mit dieser Rollenänderung ändern sich auch die Energielösungen.

Dabei wird die Energiewelt, in der er sich bewegt, immer komplexer. Die Echtzeitverarbeitung gewaltiger Datenmengen, ermöglicht in Zukunft vernetze Energiesysteme, intelligente Märkte, intelligente Häuser und intelligente Mobilität.

Vita

seit Januar 2018
Avacon AG – Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand

seit September 2017
Avacon AG – Mitglied des Vorstands

2014 – 2017
E.ON SE – Bereichsleiter Geschäftsentwicklung & Dezentrale Energien

2012 – 2014
E.ON SE – Bereichsleiter Transformation Management

2011 – 2012
E.ON Italia S.p.A. (Mailand/Rom) – Direktor Unternehmensentwicklung / Energiewirtschaft

2008 – 2010
E.ON Italia S.p.A. (Mailand) – Leiter Unternehmensentwicklung / M&A

2006 – 2008
E.ON AG – Assistent des Vorstandsvorsitzenden

2005 – 2006
E.ON AG – Syndikusanwalt, Zentrale Rechtsabteilung

2003 – 2005
Rechtsreferendariat, Düsseldorf und Brüssel OLG Düsseldorf, EU Kommission/Generaldirektion Wettbewerb, Shearman & Sterling
Abschluss: Zweites juristisches Staatsexamen

2001 – 2002
Handelshochschule Leipzig – Abschluss: Master of Business Administration (MBA)

1995 – 2001
Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg, London, Montpellier und Frankfurt am Main – Abschluss: Erstes juristisches Staatsexamen

1994 – 1995
Grundwehrdienst

1994
Abitur

1975
in Oldenburg geboren

(*In loser Folge bittet der Verlag Vi-Strategie unter der Rubrik AKTUELLES Experten, Zeitzeugen und Persönlichkeiten der Zeitgeschichte um Antwort zu allgemein-interessierenden Fragen.
Im 14. Interview (Sehen Sie bitte auch AKTUELLES vom 17.04.2018, ff) gibt aus Anlass des 15. Mitteldeutschen Energiegespräches Marten Bunnemann, Vorstandsvorsitzender der Avacon AG Auskunft über die Sicht seines Unternehmens auf die Strategie zum Breitbandausbau. NACHDRUCK OHNE GENEHMIGUNG NICHT GESTATTET.)

Die digitale Revolution gestalten – eine evangelische Perspektive

Die Podiumsrunde mit Ministerpräsident Bodo Ramelow, Oberbürgermeisterin Dr. Violas Hahn, Landesbischöfin Ilse Junkermann und
Prof. E. h. Dr. h. c. Friedhelm Loh (v. l. n. r.).

Forum zur Digitalisierung (5*)

Die digitale Revolution gestalten – eine evangelische Perspektive

Gemeinsamer Empfang der Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und der regionalen Arbeitsgruppe des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer (AEU) in Deutschland e. V. Mitteldeutschland

(*siehe AKTUELLES vom 07.09./19. und 23.10. und 01.11.2018)

Um den Dialog und das Netzwerk zwischen den evangelischen Führungskräften in Unternehmen, Sozialwirtschaft und Kirche zu stärken, laden die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer gemeinsam zu einem Empfang am Montag, den 9. April 2018 in die Stahlo Stahlservice GmbH & Co. KG, Gera-Langenberg ein.

Landesbischöfin Ilse Junkermann (im Bild 2. v. r.), Gastgeber Prof. E. h. Dr. h. c. Friedhelm Loh (i. B. r.), Vorsitzender der Friedhelm Loh Group, Ministerpräsident Bodo Ramelow (i. B. l.) und Geras Oberbürgermeisterin Dr. Violas Hahn (i. B. 2. V. diskutierten unter dem Motto “Die digitale Revolution gestalten – eine evangelische Perspektive” durch inhaltliche Impulse mitgestalten.

Die Moderation hatte Friedhelm Wachs, Sprecher der regionalen Arbeitsgruppe in Mitteldeutschland und stellv. Vorsitzender des AEU inne.

Hinsichtlich der Zielrichtung der Podiumsdiskussion, was möglicherweise an der Moderation lag, ist man als Zuhörer ein wenig im Unklaren.

Dabei lieferten die Podiumsteilnehmer Friedhelm Loh (… Keine Angst vor der Digitalisierung…), Ilse Junkermann (… Digitalisierung ethischen Grundlagen geben), Viola Hahn (… Digitalisierung eine noch zu meisternde kommunale Herausforderung) und Bodo Ramelow (… Digitalisierung – wir sind mitten drin, und auf den eigenen Kompass kommt es an) genügend Impulse für eine strukturierte Diskussion sowohl im Podium als auch später im Auditorium, um vertiefend und verknüpfend nachzufragen.

Diese Chance wurde ein wenig vertan, obwohl die Impulsthemen (siehe Kasten) gegeben sind.

Die nächste Möglichkeit kommt und zwar am 27. bis 29. 04.2018 in Fulda zum Forum 2018 zum gleichnamigen Thema (Die digitale Revolution gestalten – eine evangelische Perspektive).

Zusammenfassung der Position zur digitalen Revolution des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer (AEU) in Deutschland e. V. (Der gesamte Text ist auf der entsprechenden Homepage nachzulesen.):
Die mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungsprozesse sind von radikaler – oft als “disruptiv” bezeichneter – Gestalt und werden unser gesamtes gesellschaftliches Miteinander in bisher ungekanntem  Maße revolutionieren. Diese umfassenden Veränderungsprozesse verpflichten uns als unternehmerisch tätige evangelische Christen zur Gestaltung.

  • Globalität: Die Digitalisierung ist ein globaler Prozess, der von unterschiedlichen Kulturen und Religionen ethisch bestimmt wird. Die mit der Digitalisierung einhergehende zunehmende Geschwindigkeit von Prozessen kann zu regionalen Verwerfungen in Gesellschaften und Kulturen führen. Der zu führende globale Diskurs bedarf deshalb eines entschiedenen Eintretens für eine vom christlichen Menschenbild geprägte digitale Ethik.
  • Künstliche Intelligenz: Die Digitalisierung sollte nicht ohne ihre logische Konsequenz, die Künstliche Intelligenz, betrachtet werden. Gerade sie wirft weitgreifende ethische Fragen auf, beispielsweise zur Rolle des Menschen als autonomes Wesen oder als handelndes und sozial interagierendes Subjekt.
  • Individualität: Digitalisierung gibt Individuen die Möglichkeit, ihre individuellen Präferenzen zu artikulieren, und Unternehmen die Möglichkeit, aufgrund dieser Präferenzen Angebote individualisiert zu formen. – Dies gilt auch für die Kirche.
  • Netzwerke statt Hierarchien: Die Digitalisierung verändert lineare und hierarchische Strukturen zugunsten von Netzwerken, was zu einer steigenden Komplexität beiträgt.
  • Wettbewerbsverzerrung verhindern: Die digitale Revolution wirft grundlegende ordnungspolitische Fragestellungen auf.
  • Bildung: Die Digitalisierung und ihre Geschwindigkeit zwingt Unternehmen und Individuen zu permanenter Bildung und lebenslangem Lernen, um die dynamische Veränderung gestalten zu können.
  • Gestaltung und Bewahrung: Das Christentum ist auf Gestaltung und Bewahrung ausgerichtet und erlaubt dem zur Freiheit berufenen Christen mit Zuversicht und in Verantwortung vor Gott an diesem Änderungsprozess teilzuhaben.
  • Fragen an Theologie und Kirche: Insbesondere die durch die Digitalisierung aufgeworfenen ethischen Fragen bedürfen einer theologischen Diskussion und Antworten durch die Kirche.

Digitales Thüringen
Forum der CDU Fraktion am 01.11.2017 im Thüringer Landtag

Forum zur Digitalisierung (4*)

DIGITALES THÜRINGEN

Forum der CDU-Fraktion am 01.11.2017 im Thüringer Landtag
(*siehe AKTUELLES vom 07. September, 19. Oktober und 23. Oktober)

“Digitalisierung durchdringt alle Lebensbereiche – von Wirtschaft, über Bildung bis zum Zusammenleben in der Kommune”, heißt es in der Einladung zum FORUM DIGITALISIERUNG der CDU Landtagsfraktion im Thüringer Landtag.

Zahlreiche Zuhörer waren gekommen, um die beiden Podiumsdiskussionen – “Wirtschaft 4.0 Mehr Chance als Risiko für Thüringen” sowie “Smart City/Smart Country gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land” zu verfolgen. Zugleich erfolgte die Übertragung im Livestream via Facebook.

Der CDU Landtagsfraktion ist ob dieser Initiative zu danken. Machte man doch deutlich, welches Potential für Thüringen in diesem Thema steckt und wie in seiner Gesamtheit unentdeckt, ja strukturiert unerschlossen selbiges derzeit ist. (Mehr zur Einladung und zu den Podiumsteilnehmern findet man HIER.)

Fraktionsvorsitzender Mike Mohring (… wir brauchen für die Digitalisierung eine zentralen Anlauf-, Koordinierungs- und Innovationsstelle in der Staatskanzlei) und der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion Mario Voigt (… benannte fünf wesentliche Punkte zur erfolgreichen Umsetzung der Digitalisierung in Thüringen) führten in die Breite des Themas ein.

Für den Autor dieser Zeilen war es innerhalb kurzer Zeit das vierte Forum zum Thema Digitalisierung. Zwei davon (in Bremen und in Leipzig) hat er selber moderiert; bei zwei weiteren war er Zuhörer.

Die sich anschließenden Podiumsdiskussionen (siehe Flyer) spiegelten die Widersprüche der derzeitigen Digitalisierungsdebatte sehr gut wider. Jeder kennt Beispiele zur Digitalisierung und hat natürlich kluge Empfehlungen parat, wie eine Digitalisierung gelingen könnte.

Das dies natürlich auch schiefgehen kann, zeigte beispielsweise die kurze Diskussion der Auswirkungen des Sturmtiefs Herbart auf die Strompreise der EEX-Börse (, die ja bekanntlich im Minus-Bereich zu jener Zeit versanken) und die Feststellung, dass man mit Digitalisierung zumindest jene negativen Auswirkungen in mehrstelliger Millionen-Höhe minimieren könne.

Digitalisierung als notwendiges Korrektiv gesetzlicher Auswirkungen (Präferenzregelung für regenerative Energieerzeugung an der Börse und fehlendes Level Playing Field für die gesamte Energieerzeugung seien nur als Stichworte genannt.) macht deutlich, dass Digitalisierung keinem Selbstzweck unterliegen, sondern einem Leitbild dienen und einer Strategie folgen sollte.

Der Leitbildgedanke, von Colette Boos -John angesprochen, wurde leider in der Diskussion nicht weiter aufgegriffen.

Stattdessen erfolgte sehr ausführlich der Meinungsaustausch zur “Digitalen Verwaltung, aber wie?” (Siehe auch FAZ vom 04.10.2017 mit einem Beitrag von Gerhard Hammerschmid, Professor für Verwaltungsmanagement an der Hertie School of Governance in Berlin).

Bleibt festzuhalten, in Thüringen gibt es sehr interessante und erfolgversprechende Beispiele zur Digitalisierung sowohl in der Optimierung von Geschäftsprozessen als auch in der Generierung neuer Geschäftsmodelle.

Letztlich fehlt ein strukturierter Gesamtansatz, der bei allem disruptiven in den wirtschaftlichen Auswirkungen ähnlich einem Masterplan den gesellschaftlichen Gesamtansatz, möglicherweise auch gesondert für den Freistaat Thüringen, formuliert. Dieser Dialog sollte Fortsetzung finden.

“VOLLBESCHÄFTIGUNG UND DIGITALISIERUNG IM JAHR 2025”

Unter Moderation von Michael Tallai (Bild Mitte) nahmen v. l. n. r. Mihajlo Kolakovic, Mike Mohring, Kay Senius  und Prof. Dr. Nikolaus Knoepffler an der Diskussion teil.
(Mehr zu den Teilnehmern finden Sie bitte unter HIER.)

23. WEIMARER WIRTSCHAFTSGESPRÄCH

“Vollbeschäftigung und Digitalisierung im Jahr 2025”

Landesverband Thüringen des Wirtschaftsrates fokussiert Schwerpunktthema

Mit zahlreichen Veranstaltungen bietet der Landesverbandes Thüringen des Wirtschaftsrates Deutschland alljährlich seinen Mitgliedern vielfältige Plattformen des wirtschaftspolitischen Informations- und Meinungsdiskurses. Dabei kommt dem WEIMARER Wirtschaftsgespräch als Flaggschiff aller Veranstaltungen in Thüringen eine besondere Stellung zu.

Schon in den vorangegangenen WEIMARER WIRTSCHAFTSGESPRÄCHEN wurde der jeweilige Themenschwerpunkt auf Thüringens wirtschaftspolitische Entwicklung gelegt.

Ob im “21.” (“SICHERUNG DES FACHKRÄFTEBEDARFS VOR DEM HINTERGRUND DER AKTUELLEN WIRTSCHAFTS- UND EINWANDERUNGSPOLITIK IN THÜRINGEN”) oder beispielsweise im “22.” (THÜRINGEN – FIT FOR FUTURE?”) und jetzt im “23.”, stets wird auf der Grundlage der Erhard´schen Sozialen Marktwirtschaft die Thematik beleuchtet, analysiert und diskutiert.

Wie kann der Staat einen funktionsfähigen freien Wettbewerb bei gleichzeitiger Wahrung eines sozialen Gleichgewichtes innerhalb der Gesellschaft sichern? Das ist die Grundfrage, die stets aufs Neue Prüfstand für die jeweiligen aktuellen Fragen der Zeit darstellt.

Dabei kommt den Fragen der Digitalisierung, nicht nur deutschlandweit, sondern auch für ein Bundesland, beispielsweise Thüringen, eine entscheidende Rolle zu, so dass das diesjährige WEIMARER WIRTSCHAFTSGESPRÄCH (Das PROGRAMM ist HIER nachlesbar.) in einer sehr aktuellen Situation stattfand.

Für den verhinderten Dieter Althaus, MP a.D. und Vice President Governmental Affairs Magna Europe, hielt Kay Senius, Geschäftsführer Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Sachsen-Anhalt – Thüringen den Impulsvortrag. (Die Bilder links, rechts und unten vermitteln einige ausgewählte Thesen aus dem Vortrag.)

Michael Tallai, Geschäftsführer der Mediengruppe Thüringen GmbH, moderierte die Diskussion. Vortrag und Diskussion machen deutlich, dass es vermutlich keine einheitliche Strategie für ein disruptive Prozesse auslösendes Thema geben kann, wohl aber ein gesamtgesellschaftlicher Rahmen sowohl für die technische Infrastruktur, wie auch für eine Herangehensweise zu definieren wäre.

Für eine vergrößerte Ansicht klicken Sie bitte auf die Bilder.

Die Zukunft der Kommunalwirtschaft: Daseinsvorsorge 4.0 (Teil 2 der Diskussion)

DIE ZUKUNFT DER KOMMUNALWIRTSCHAFT:
DASEINSVORSORGE 4.0 (Teil 2 der Diskussion)

Podiumsdiskussion zum 125-jährigen Jubiläum von Göken, Pollak & Partner (GPP) nach Bremen jetzt in Leipzig
Geschäftsführer Vi-Strategie GmbH moderiert (siehe AKTUELLES vom 31. Juli und 07. September)
120 Zuhörer

„Daseinsvorsorge 4.0 – Die Zukunft der Kommunalwirtschaft“ so lautete der Titel der Veranstaltungsreihe zum 125-jährigen Bestehen von Göken, Pollak und Partner aus Bremen.

Eine Annäherung an diese Thematik gelang bereits am 7.9. im Bremer Parkhotel – nun wurden die Themen bei einer Folge-Veranstaltung am 19.10 im Leipziger Steigenberger Grandhotel weiter vertieft. Moderator Rainer Otto, welcher die Veranstaltung bereits in Bremen leitete, begrüßte für die zweite Runde Vertreter aus den Bereichen Finanzdienstleistungen, Kommunalpolitik und Versorgung.

Zur Sprache kam einerseits der bevorstehende/vorherrschende Strukturwandel in der kommunalen Wirtschaft, der besondere Stellenwert der Digitalisierung in dieser Entwicklung sowie die nötigen Voraussetzungen für Politik und Versorgungsunternehmen, um in dieser Entwicklung Schritt zu halten.

Besonders die Rolle der Kommunen stand während der zweistündigen Diskussion immer wieder im Mittelpunkt – sowohl in direktem Kontakt zum Endverbraucher als auch als überordnete Plattform innerhalb der aktuellen Entwicklung.

Große gesellschaftliche Herausforderungen wie der demografische Wandel sowie die Zukunft des ländlichen Raumes können nur mit Hilfe von Innovationen und einem allgemeinen Bewusstseinswandel der Bevölkerung bewältigt werden, so Peter Gaffert, Oberbürgermeister der Stadt Wernigerode. Die Aufrechterhaltung der Versorgungsstruktur im ländlichen Raum bei gleichzeitig sinkenden Nutzerzahlen stellt die Kommunalwirtschaft vor neue Herausforderungen. Eine Veränderung des Nutzerverhaltens erfordere daher auch eine Anpassung seitens der Versorgungsunternehmen. Die Digitalisierung stelle hier möglicherweise das passende Instrument zur Lösung dieser Probleme dar – doch sie dient nicht als Selbstzweck. Leider verzeichnet Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern wie Estland noch massive Defizite bei Verfügbarkeit und Geschwindigkeit von Breitband-Internet oder der Verbreitung von Strukturen des eGovernments.

Eine grundlegende Vernetzung muss daher überall geboten werden, auch dort, wo es sich für Privatunternehmen nicht rentiert. Dort kommen die Kommunen ins Spiel – angefangen bei der Digitalisierung von internen Prozesses bis zur Smart-City-Entwicklung.

Leider sind die rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen für einen solchen Strukturwandel häufig nicht gegeben. Peter Gaffert forderte daher eine Stärkung der Kommunen durch eine Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen. Viele Reglementierungen verlangsamen heutzutage die Entwicklung der Kommunalunternehmen oder wirken abschreckend für kleinere Verwaltungsstrukturen. Auch Dietlind Tiemann, Oberbürgermeisterin a.D. der Stadt Brandenburg an der Havel, sieht den Finanzdruck auf die Kommunen in dieser Hinsicht als nicht förderlich an. Der Tätigkeitsbereich der Kommune sollte dort liegen, wo das Wohl der Bevölkerung direkt verbessert werden kann – gute Erfahrungen mit Public-Private-Partnerships können in dieser Hinsicht als Best-Practice-Ansätze dienen und für mehr Wettbewerbsfähigkeit der kommunalen Versorger auf dem Markt beitragen.

Die Relevanz von Daten als das „Gold des 21. Jahrhunderts“ betrifft natürlich auch die kommunalen Versorger. Ralph Grillitsch sieht vor allem die Produktentwicklung aus den vorhandenen Daten als große Herausforderung der nächsten Jahre. Der Fokus sollte hier auf der Abdeckung und Entwicklung des zukünftigen Infrastrukturbedarfs statt auf dem Gewinnstreben liegen, so der Geschäftsführer der Stadtrodaer Wohnungsbaugesellschaft mbH sowie der Stadtwerke Stadtroda GmbH.

Zusammenfassend sind die aktuellen Transformationsentwicklungen nur sehr schwer greifbar. Statt eines Gesamtkonzeptes sind es viele Einzelne Ansätze und Strategien, welche aktuell diskutiert werden, zudem drängen neue Akteure auf den Markt – dies alles erfordert eine neue Form des Schnittstellenmanagements. Staat und Regierung können dies nicht alleine leisten findet auch Jens Held. Der Wirtschaftsprüfer/Steuerberater und Partner bei GPP sieht die Digitalisierung im Rahmen von dezentralen Ansätzen als große Chance für den ländlichen Raum, welche bisher fast gänzlich ungenutzt blieb.

Was braucht es also nun für eine zeitgemäße Orientierung der kommunalen Wirtschaft?

Vor allem das Management der großen Datenmengen wird künftig eine der größten Aufgaben darstellen, so Michael Emrich, Geschäftsführender Präsident des ostdeutschen Sparkassenverbandes. Nicht nur die Nutzung der Daten ist hier von Bedeutung, auch Zugriffs- und Missbrauchssicherheit müssen gewährleistet sein. Welche Institution oder Organisation künftig die Hoheit über diese Daten haben soll ist strittig. Die Koordinationsaufgabe liegt jedoch bei den Kommunen. Diese müssen einerseits mutig und aktiv an den Entscheidungsprozessen teilhaben, als auch die Umsetzung seitens der kommunalwirtschaftlichen Betriebe organisieren. Nur so kann der Platz der Branche in der Zukunft gefestigt und die gute Versorgung der Bevölkerung langfristig sichergestellt werden.


Nach interessanter und fachlich sehr intensiver theoretischer Erörterung der Digitalisierung gab es einen praktischen Einblick am Beispiel der Dienstleistungen der EEX-Gruppe.


(v. li. n. re.) Rainer Otto, Geschäftsführer Vi-Strategie GmbH, Peter Gaffert, Oberbürgermeister von Wernigerode, Dr. Dietlind Tiemann, Oberbürgermeisterin a. D. von Brandenburg an der Havel und frisch gewählte Bundestagsabgeordnete, Ralph Grillitsch, Geschäftsführer der Stadtwerke Stadtroda GmbH und der Stadtrodaer Wohnungsbaugesellschaft mbH, Jens Held, Geschäftsführender Gesellschafter GPP Wirtschaftsprüfer und Steuerberater und Dr. Michael Ermrich, Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes.

Daseinsvorsorge 4.0 –
Die Zukunft der Kommunalwirtschaft

DIE ZUKUNFT DER KOMMUNALWIRTSCHAFT: DASEINSVORSORGE 4.0

Podiumsdiskussion zum 125-jährigen Jubiläum von Göken, Pollak & Partner (GPP) in Bremen

Geschäftsführer Vi-Strategie GmbH moderiert (siehe AKTUELLES vom 31. Juli) – 200 Zuhörer

Die Daseinsvorsorge steht vor einem Wandel. In Zeiten des Umbruchs und stark beschleunigter wirtschaftlicher Entwicklung ist das „Stadtwerk der Zukunft“ gesucht. Wie könnte dies aussehen? Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 125-jährigen Betriebsjubiläum von GPP wurde genau diese Frage aufgegriffen und innerhalb einer zweistündigen Podiumsdiskussion, an der 200 Zuhörer teilnahmen, erörtert. Unter der Moderation von Rainer Otto, Geschäftsführer der Vi-Strategie GmbH, stand neben der aktuellen Entwicklung der Daseinsvorsorge besonders der Umgang mit der fortschreitenden Digitalisierung im Vordergrund.

Eine Frage tauchte im Laufe der Diskussion immer wieder auf: Wo ist der Platz der Kommunalwirtschaft in der Zukunft und wie können dort Einkünfte erzielt werden? Zwar sorge der etablierte Verkauf von Versorgungsleistungen wie Wasser oder Gas weiterhin für einen Großteil der Erlöse der Versorger, dies wird jedoch aufgrund des wachsenden Wettbewerbs- und Effizienzdrucks immer schwerer und weniger rentabel, so Michael Bosse-Arbogast, Sprecher und Kaufmännischer Vorstand der Stadtwerke Hildesheim AG.

Mit einer Erweiterung des Portfolios, beispielsweise um Dienstleistungen für Photovoltaik-Anlagen, Ladestationen für Elektroautos oder Telekommunikationsdienste, verschmelzen daher auch die Tätigkeitsbereiche der Versorgungsunternehmen. Die Akteure der Branche sind sehr vielfältig geworden und kommen aus verschiedensten Bereichen. Um dieser Konkurrenz Stand zu halten, ist eine verstärkte Innovationsmentalität nötig. Diese fehlt laut Petra Reiber (Bürgermeisterin a. D. der Gemeinde Sylt) häufig noch. Es gilt, auch in der Bevölkerung ein Bewusstsein für innovative Ansätze wie Smart-City- oder Nachhaltigkeitskonzepte zu entwickeln. Nur so kann die Digitalisierung erfolgreich vorangetrieben werden und eine moderne Daseinsvorsorge entstehen.

Durch Partnerschaften mit privaten Akteuren kann diese Innovationskultur gefördert werden – die kommunale Familie dürfe nicht ″hinten runter fallen″, so Bernd Reichelt. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Menden GmbH sieht die öffentlichen Versorger zukünftig vielmehr als übergeordnete Plattform für die zahlreichen Akteure in der Entwicklung zur Smart-City. Das vorhandene Know-how der Kommunen, vor allem bei spartenübergreifenden Tätigkeiten, sei in dieser Hinsicht nicht zu unterschätzen.

Kundenkontakt im Vordergrund | Auch die Kommunikation mit dem Endverbraucher spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Trotz der Online-Verfügbarkeit vieler Leistungen bietet die Digitalisierung nicht die Lösung für alle Anforderungen. Die Nachfrage nach einem persönlichen Kontakt zum Versorgungsunternehmen hat in den vergangenen Jahren sogar zugenommen, berichtet Michael Bosse-Arbogast. Eine zweigleisige Kommunikation – analog und digital – ist zwar vorübergehend mit höheren Ausgaben verbunden, bietet jedoch gleichzeitig eine verbesserte Möglichkeit, auf die Bedürfnisse der Bevölkerung einzugehen und alle Kunden in dieser Entwicklung ″mitzunehmen″.

Das forderte auch Metin Pencereci, Wirtschaftsprüfer/Steuerberater und Partner bei GPP, der für mehr Engagement und Initiative der kommunalen Unternehmen bei Infrastrukturaufgaben wie dem Breitbandausbau warb. Die Diskussion über die Rolle der treibenden Kraft bei Innovationen sorgte im Anschluss für verschiedene Standpunkte. Einerseits müsse die (finanzielle) Rückendeckung seitens der Gemeinde vorhanden sein, auf der anderen Seite sei es an den öffentlichen Versorgern, innovative Ansätze ins Spiel zu bringen und deren Umsetzung voranzutreiben.

Als Gedankenanstoß aus der Praxis präsentierte Detlev Koch, Geschäftsführer der Stadtwerke Haldensleben GmbH, die Digitalisierungs-Roadmap des Versorgungsunternehmens nahe Magdeburg. Die Implementierung von digitalen Services wurde hier in vielen Bereichen geplant bzw. bereits durchgeführt. Dies gelte nicht nur für interne Prozesse, ebenso unterstützen öffentlichkeitswirksame Aktionen den Bewusstseinswandel in der Bevölkerung, so Koch.

Sicherheit und Datenschutz | Zur Frage nach der Beherrschbarkeit der technologischen Entwicklung verwies Peter Franke, Vizepräsident der Bundesnetzagentur, in erster Linie auf die rechtlichen Grundlagen. Besonders die Daten des einzelnen Bürgers seien mit sehr hohen Standards verbunden, um Sicherheit zu gewährleisten. Ein solch hohes Schutzgut setze, auch bei Regulierungsfragen, die gleichen Anforderungen für alle Akteure voraus.

Zum Ende der Diskussion waren sich die Teilnehmer zumindest in einem Punkt einig: Sowohl auf staatlicher als auch auf kommunaler Ebene ist Transparenz und eine erfolgreiche Kommunikation von zentraler Bedeutung. Digitalisierung sei ein Teil-Prozess, stellte Bernd Reichelt fest – sowohl bei Wissen, als auch bei Handlungen und Entscheidungen. Entsprechend sind hierarchie- und machtarme Strukturen notwendig, damit die Unternehmenskultur mit der Technologie Schritt halten kann.

Mit einer weiteren Podiumsdiskussion zum selben Thema am 19. Oktober 2017 sollen am GPP-Standort Leipzig diese Standpunkte und Ergebnisse aufgegriffen und in einer Fortsetzung weiter diskutiert werden.

(Den Artikel im Weser-Kurier finden Sie HIER.)

 


Teilnehmer der überaus interessanten Diskussion zur Zukunft der Kommunalwirtschaft unter digitalen Aspekten waren (von links nach rechts) Peter Franke (Vizepräsident Bundesnetzagentur), Rainer Otto (Geschäftsführer Vi-Strategie GmbH) Detlef Koch (Geschäftsführer Stadtwerke Haldensleben GmbH) Petra Reiber (Bürgermeisterin a. D. Gemeinde Sylt), Michael Bosse-Arbogast (Sprecher und Kaufmännischer Vorstand Stadtwerke Hildesheim AG), Metin Pencereci (Wirtschaftsprüfer/Steuerberater und Partner bei GPP) und Bernd Reichelt ( Geschäftsführer Stadtwerke Menden GmbH).