Der Verzicht auf Metalle in stationären Stromspeichern wird nach unserer Auffassung hier zu einer deutlichen Entlastung der Rohstoffversorgung führen und so zugleich die Umstellung auf CO2-neutrale Stromversorgung beschleunigen und die ökologisch sensibelsten Rohstofflager vor Ausbeutung schützen.

Referenten der EAST Energy And Storage Technologies am 16./17.09.2019 in Erfurt (6): Vortrag über ein metallfreies elektrisches Batteriespeichersystem

Der Verzicht auf Metalle in stationären Stromspeichern wird nach unserer Auffassung hier zu einer deutlichen Entlastung der Rohstoffversorgung führen und so zugleich die Umstellung auf CO2-neutrale Stromversorgung beschleunigen und die ökologisch sensibelsten Rohstofflager vor Ausbeutung schützen.

Dr. Olaf Conrad: Die Region Mitteldeutschland hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Innovationstreiber im Bereich der Stromspeicher gemausert.

Am 16./17. September 2019 startet die erste EAST Energy And Storage Technologies exhibition & conference im CongressCenter der Erfurter Messe. In loser Folge interviewt im Vorfeld AKTUELLES Redner, die in den verschiedenen Workshops mit ihren Themen zum Gelingen der EAST beitragen. Heute gelten die Fragen Dr. Olaf Conrad, der im Workshop Technologien über ein metallfreies elektrisches Batteriespeichersystem berichtet.

Herr Dr. Conrad, Sie sind seit 2016 Geschäftsführer der JenaBatteries GmbH. Geben Sie bitte einen kurzen Überblick über die Tätigkeiten ihres Unternehmens.

JenaBatteries entwickelt auf der Basis von weltweit angemeldeten und teilweise bereits erteilten Patenten großformatige Batteriespeicher ab 100 kW Leistung und 400 kWh Kapazität. Was uns einzigartig macht ist, dass wir dabei vollständig auf Metalle im Speichermaterial verzichten. Wir haben diesen neuartigen Ansatz zur Stromspeicherung über die vergangenen sechs Jahre zur Marktreife entwickelt und bereiten derzeit die Markteinführung ab 2020 und volle Kommerzialisierung ab 2021 vor.

Ihre metallfreien Redox-Flow-Batterien sind weder brennbar noch explosiv und verwenden weder Schwermetalle noch aggressive Säuren. Erläutern Sie dies.

In unserer Batterie wird der elektrische Strom in wässrigen Lösungen aus organischen Salzen gespeichert, die in großen Mengen aus einfachen Grundstoffchemikalien in der chemischen Industrie hergestellt werden. Die Verwendung von Wasser als Lösungsmittel macht die Batterie prinzipiell nicht brennbar.

Da wir für die Speicherung keine Metalle verwenden, können wir die Speichermoleküle in nahe pH-neutralen Lösungen sicher betreiben, wodurch aggressive Säuren und aggressive Laugen vermieden werden und die betriebsbedingte Bildung explosiver Gasgemische ausgeschlossen ist.

Auch der massive Eingriff in empfindliche Ökosysteme, wie er etwa für die Gewinnung von Lithium aus Salzseen notwendig ist, wird mit unserer Technologie unnötig.

2015 wurde JenaBatteries mit dem IQ Innovationspreis Mitteldeutschland ausgezeichnet. Können Sie diese Auszeichnung in der Kategorie Chemie und Polymer rückblickend bewerten?

Die Region Mitteldeutschland hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Innovationstreiber im Bereich der Stromspeicher gemausert. Kluge Standort- und Technologiepolitik der beteiligten Landesregierungen, strategische Weitsicht der Hochschulleitungen bei der Profilbildung und ein sehr innovationsfreudiges und flexibles mittelständisches Unternehmertum haben hervorragende Voraussetzungen für die erfolgreiche Überführung von Forschungsergebnissen aus den Hochschulen in die arbeitsplatzschaffende gewerbliche Praxis geschaffen.

Mit dem IQ Innovationspreis ist die sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem CEEC Jena an der Friedrich-Schiller-Universität belohnt worden. Er hat zugleich den Ansporn gegeben, den steinigen Weg zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Produkt weiterzugehen. 

Zur EAST Energy And Storage Technologies exhibition & conference am 16. und 17. September 2019 im CongressCenter der Erfurter Messe werden Sie als Referent im Workshop Technologien über ein metallfreies elektrisches Batteriespeichersystem berichten. Dies ist, ihrer Meinung nach, eine Antwort auf das Metallknappheitsproblem. Erläutern Sie dies kurz.

Für den weiteren globalen Ausbau der Erneuerbaren Energien müssen auf allen Ebenen der Energieversorgung disruptive neue Technologien eingesetzt werden. Ein wesentlicher Baustein wird dabei die Stromspeicherung sein. Es ist selbst für Fachleute schwer, sich die ungeheure Menge an täglich erzeugter und verbrauchter – also transportierter – elektrischer Energie vorzustellen – auch weil man Strom nicht wiegen oder in Tanks abfüllen kann. Es sprengt deshalb jegliche Vorstellungskraft, sich die schiere Menge an Lithium, Kobalt, Nickel und anderen Metallen vor Augen zu führen, die in den derzeit projektierten und prognostizierten Stromspeichern verbaut werden müssten.

Versorgungsengpässe sind bereits jetzt bei Kobalt aufgetreten und für Nickel und Lithium vorhersagbar.

Diese Engpässe werden dazu führen, dass der Speicherausbau insbesondere in der stationären Stromspeicherung langsamer als notwendig vorankommt. Selbst wenn man den erwartbaren Raubbau an der Natur achselzuckend als notwendigen Preis für die Erreichung der Klimaziele ansieht – und das halte ich persönlich für moralisch inakzeptabel – wird man an den wirtschaftlichen Realitäten nicht vorbeikommen.

Der Verzicht auf Metalle in stationären Stromspeichern wird nach unserer Auffassung hier zu einer deutlichen Entlastung der Rohstoffversorgung führen und so zugleich die Umstellung auf CO2-neutrale Stromversorgung beschleunigen und die ökologisch sensibelsten Rohstofflager vor Ausbeutung schützen. Das ist es, was wir mit unserer neuen Speichertechnologie ermöglichen.

Definieren Sie abschließend die Rolle von Energiespeichern im Gesamtkontext der Energiewende.

Wenige Sätze werden der Komplexität dieser Frage niemals gerecht werden. Energie wird heute in sehr vielen Formen verwendet – Wärme, Kälte, Strom, Stoffumwandlungen, Bewegung, Information um die wichtigsten zu nennen. Der allergrößte Teil davon wird zu dem Zeitpunkt erzeugt zu dem er auch verbraucht wird und basiert überwiegend auf der Wandlung fossiler Rohstoffe unter Freisetzung von CO2. Es gibt mittlerweile keine begründeten Zweifel mehr, dass die Auswirkung auf unser Lebensumfeld, vor allem auf das Erdklima, katastrophal sein wird, wenn wir das so weiterführen.

Wenn wir unser gesamtes Energiesystem konsequent darauf ausrichten, dass die Erzeugung und der Verbrauch der verschiedenen Energieformen erstens zeitlich und räumlich und zweitens untereinander austauschbar – Stichwort Sektorenkoppelung – verfügbar wird, können wir uns grundlegend von fossilen Rohstoffen unabhängig machen. Dafür ist es notwendig für jede der verwendeten Energieformen Speichermöglichkeiten zu schaffen. JenaBatteries stellt dazu die Technologie für Speicherung von elektrischem Strom zur Verfügung, ohne dabei den Raubbau an unserer Natur fortzusetzen.

Blick auf Jena, dem Unternehmenssitz von JenaBatteries. Foto: Pixabay.

Kurzvita

Dr. Olaf Conrad promovierte 1998 an der Universität Münster in Chemie. Zu Beginn seiner industriellen Laufbahn in der Erforschung der Elektrokatalyse bei der Engelhard Corporation in den USA war er in verschiedenen internationalen Positionen in der Industrie und Wissenschaft tätig, unter anderem bei CMR Fuel Cells in Großbritannien und NEXT ENERGY Research Centre in Deutschland. Von 2011 bis 2015 war er erster Direktor des neu geschaffenen Kompetenzzentrums für Katalyse für Wasserstoff und Brennstoffzellen an der University of Cape Town in Südafrika. Im Jahr 2016 wurde er zum Geschäftsführer von Jenabatteries in Jena ernannt, wo er für den technischen und kommerziellen Erfolg der metallfreien Redox-Flow-Batterie verantwortlich ist. Dr. Conrad ist regelmäßiger Referent auf internationalen Wissenschaftskonferenzen und hat mehr als 40 wissenschaftliche Publikationen in peer-reviewed Journalen verfasst oder mitverfasst.

Wir müssen es schaffen, aus der aktuellen Stromwende eine wirkliche Energiewende zu machen, um den Umbau des Energiesystems zu gewährleisten.

Referenten der EAST Energy And Storage Technologies am 16./17.09.2019 in Erfurt (5): Vortrag über die besondere Rolle von Energiespeichern und deren Finanzierung

Wir müssen es schaffen, aus der aktuellen Stromwende eine wirkliche Energiewende zu machen, um den Umbau des Energiesystems zu gewährleisten.

Dr. Marcel Zürn: Nur durch die intelligente Vernetzung aller Sektoren kann einerseits der Anteil erneuerbarer Energien weiter signifikant erhöht werden und andererseits Effizienzpotentiale gehoben werden.

Am 16./17. September 2019 startet die erste EAST Energy And Storage Technologies exhibition & conference im CongressCenter der Erfurter Messe.

In loser Folge interviewt im Vorfeld AKTUELLES Redner, die in den verschiedenen Workshops mit ihren Themen zum Gelingen der EAST beitragen.

Heute gelten die Fragen Dr. Marcel Zürn, der im Workshop Finanzierungen, Start-ups, rechtliche Rahmenbedingungen, internationale Zusammenarbeit über die besondere Rolle von Energiespeichern und deren Finanzierung berichtet.

Herr Dr. Zürn, Sie waren von 2004 bis 2008 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung der Universität Stuttgart. Mit welchen Forschungsschwerpunkten haben Sie sich in dieser Zeit beschäftigt?

Im Rahmen meiner Tätigkeit am Institut für Energiewirtschaft habe ich mich in erster Linie mit der Beantwortung verschiedener energiewirtschaftlicher Fragestellungen im internationalen Kontext mit Hilfe eines allgemeinen Gleichgewichtsmodells beschäftigt. Hierzu zählten beispielsweise die Analyse verschiedener Klimaschutzmaßnahmen und die Auswirkungen auf andere Länder, die weniger stringente Ziele formuliert haben. Daneben habe ich mich mit verschiedenen Szenarien hinsichtlich des Energieträgermixes im deutschen und europäischen Energiesystem und die Auswirkungen auf die Gesamtkosten beschäftigt.

Danach waren Sie 2 Jahre als Energy Analyst bei der Boston Consulting Group in Hamburg. Welche Ergebnisse beziehungsweise Erfahrungen würden Sie hier rückblickend hervorheben? 

In meiner Zeit bei BCG habe ich hauptsächlich deutsche und europäische Stromversorger beraten. Fragestellungen waren hier bspw. die Entwicklung und Optimierung von Kraftwerksparks im europäischen Kontext. Die Branche war damals noch sehr viel stärker auf fossile und nukleare Kraftwerke fokussiert und man hat sich nur allmählich dem Ausbau der erneuerbaren Energien gewidmet. Außerdem erschien es für die meisten Versorger undenkbar, dass das derzeitige Geschäftsmodell mit zentralen Kraftwerken unter Druck kommen könnte. 

In Ihrer Zeit bei Rolls-Royce Power Systems waren Sie für die Strategie im Bereich Stromerzeugungsanlagen verantwortlich. Was waren dort Ihre Erfahrungen und Eindrücke?

Hierbei ging es hauptsächlich um die Entwicklung des Bereichs Stromerzeugung von einem Produkt- zu einem Lösungsanbieter. Historisch betrachtet ist Rolls-Royce Power Systems hauptsächlich ein Lieferant von Großmotoren an OEMs. Allerdings ist ein Motor eine austauschbare Komponente und die Frage ist, wie man für den Kunden einen wirklichen Mehrwert bieten kann. Wenn man aber nicht nur das Produkt Motor, sondern eine Lösung anbieten kann, schafft man einen Mehrwert. Im Vordergrund stand hierbei die Entwicklung von integrierten Systemen zur Stromerzeugung. Dies ging beispielsweise soweit, dass RRPS einen eigenen Batteriecontainer entwickelt hat, der in Kombination mit einem Stromerzeugungsaggregat und erneuerbaren Energien zu einem Hybridsystem ausgebaut werden konnte. 

Seit 2018 sind Sie Leiter des Sektors Energie bei der Landesbank Baden-Württemberg. Mit welchen Themenschwerpunkten beschäftigt sich der Sektor Energie aktuell?

Aktuell sind wir mit unseren Kunden aus dem Bereich Energie und Versorger intensiv in der Diskussion über die aktuellen Trends und Herausforderungen und die künftigen Strategien um den Wandel der Branche bestmöglich zu bewältigen. Themenschwerpunkte sind hierbei der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien, die Entwicklung von Nah- und Fernwärmenetzen sowie der Ausbau der Stromnetze zur besseren Integration der regenerativen Energien. Ein weiterer Schwerpunkt ist sicherlich die künftige Entwicklung im Bereich Energiespeicher, wo wir eng mit den Kollegen aus dem Bereich Automobil zusammenarbeiten.

Zur EAST Energy And Storage Technologies exhibition & conference am 16. und 17. September 2019 im CongressCenter der Erfurter Messe werden Sie als Referent im Workshop Finanzierungen, Start-ups, rechtliche Rahmenbedingungen, internationale Zusammenarbeit über die besondere Rolle von Energiespeichern und deren Finanzierung berichten. Können Sie die besondere Rolle von Energiespeichern kurz definieren?

Energiespeichern kommt im Kontext der Energiewende eine besondere Bedeutung zu. In den letzten Jahren waren wir in der komfortablen Lage, dass wir in ein bestehendes und sicheres Stromsystem immer mehr erneuerbare Energien zugebaut haben, das bestehende System aber nach wie vor zur Verfügung stand.

Beim weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien geht es nun aber zunehmend um die Frage, wie ein künftiges Marktdesign ausgestaltet sein muss, um die Integration intelligent zu bewerkstelligen. Energiespeicher sind hierbei ein essentieller Bestandteil, da sie entlang der Wertschöpfungskette auf unterschiedlichen Wertschöpfungsstufen eingesetzt werden können. Es geht in diesem Zusammenhang aber auch um die Frage, was wir unter Energiespeicher verstehen. In der derzeitigen Debatte habe ich den Eindruck, dass Energiespeicher häufig mit Batteriespeichern gleichgesetzt werden und dies greift sicherlich zu kurz.

Welche Herausforderungen sehen Sie in Bezug auf das positive Gelingen der Energiewende? 

Aktuell sehe ich die gesellschaftliche Akzeptanz mit einer gewissen Sorge. Insbesondere beim weiteren Ausbau der Windenergie an Land aber auch beim Ausbau der Nord-Süd-Verbindungen gibt es teilweise starke Widerstände der Bevölkerung. Sicherlich wird es immer Vorbehalte und Proteste von direkt Betroffenen geben, die aktuellen Entwicklungen gehen aber darüber hinaus. Dies hat sicherlich auch mit den Protagonisten auf der politischen Weltbühne zu tun. Es muss aber klar sein, dass wir die Energiewende nur gemeinsam im Konsens schaffen. Die Politik sollte hierbei auch ihrer Verantwortung gerecht werden und die großen Linien vorgeben, anstatt sich im Klein-Klein täglicher Koalitionsstreitigkeiten zu verfangen.

“Es ist von zentraler Bedeutung, die Barrieren zwischen den Sektoren abzubauen und die Energiewende auch im Wärmesektor und im Verkehrssektor voranzubringen.” (Iris Gleicke) Bewerten Sie bitte diese Aussage.

Dieser Aussage kann ich voll zustimmen! Wir müssen es schaffen, aus der aktuellen Stromwende eine wirkliche Energiewende zu machen, um den Umbau des Energiesystems zu gewährleisten. Wir haben im Bereich Strom sicherlich bereits einiges geschafft. Im Jahr 2018 war der Anteil der erneuerbaren Energien bei annähernd 40% und im ersten Halbjahr 2019 konnte die Erzeugung aus erneuerbaren Energien nochmals gesteigert werden. Wenn man sich aber den Bereich Mobilität und Wärme anschaut, ist man hier auf einem stabil niedrigen Niveau. Aber nur durch die intelligente Vernetzung aller Sektoren kann einerseits der Anteil erneuerbarer Energien weiter signifikant erhöht werden und andererseits Effizienzpotentiale gehoben werden.

Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) Hauptsitz Karlsruhe. Foto: LBBW.

Kurzvita

Dr. Marcel Zürn ist im Bereich Corporate Finance als Sector Head Energy bei der Landesbank Baden-Württemberg für die Weiterentwicklung des Geschäftsfeldes Corporates und den Ausbau der Sektorexpertise im Bereich Energie verantwortlich.  Dies umfasst die enge Verzahnung der verschiedenen Geschäftsfelder, der Kunden- und Produktbereiche und die enge Zusammenarbeit mit den Kunden aus der Energiebranche zur Umsetzung tragfähiger Finanzierungslösungen bei Sicherstellung eines überzeugenden Risikomanagements.  Von 2010 bis 2018 war Dr. Zürn in verschiedenen Positionen bei der Rolls-Royce Power Systems verantwortlich für die globale Strategie im Bereich Stromerzeugung und die Einbettung in die Unternehmens- und Gruppenstrategie. Darüber hinaus begleitete er M&A Projekte, von der Identifizierung geeigneter Unternehmen über Strategic Fit-Analysen und Due-Dilligences sowohl für das klassische Produktportfolio als auch für neue Geschäftsfelder. Darüber hinaus hat er die Marktanalyse der Stromerzeugungsmärkte ausgebaut und fungierte als Experte für Energie- und Strommärkte in Gremien und Verbänden.  Zuvor war Dr. Marcel Zürn bei der Boston Consulting Group in Hamburg tätig, wo er verschiedene Projekte für deutsche und Europäische Stromversorger begleitete.  Im Rahmen seiner Tätigkeit beim Institut für Energiewirtschaft und rationelle Energieanwendung der Universität Stuttgart arbeitete Herr Dr. Zürn an verschiedenen Projekten für die Europäische Kommission, das Bundeswirtschaftsministerium und für zahlreiche Unternehmenskunden an energiepolitischen Fragestellungen.  Sein Studium der Wirtschaftswissenschaft hat er an der Universität Hohenheim als Diplom Ökonom abgeschlossen. Seine Promotion hat er im Jahr 2010 an der Universität Stuttgart in der Fakultät Ökonomie und Recht erlangt.

Der Betrieb von Stromspeichern ist meiner Meinung nach, nicht zuletzt angesichts des schleppenden Netzausbaus, ein zentraler Baustein der Energiewende.

Referenten der EAST Energy And Storage Technologies am 16./17.09.2019 in Erfurt (3): Vortrag über rechtliche Rahmenbedingungen des Betriebs von Speichern

Der Betrieb von Stromspeichern ist meiner Meinung nach, nicht zuletzt angesichts des schleppenden Netzausbaus, ein zentraler Baustein der Energiewende.

Dr. Christoph Richter: Was für Speicher gilt, gilt meines Erachtens nach natürlich genauso für die anderen Power-to-X Technologien.

Am 16./17. September 2019 startet die erste EAST Energy And Storage Technologies exhibition & conference im CongressCenter der Erfurter Messe. In loser Folge interviewt im Vorfeld AKTUELLES Redner, die in den verschiedenen Workshops mit ihren Themen zum Gelingen der EAST beitragen.

Heute gelten die Fragen Dr. Christoph Richter, der im Workshop Finanzierungen, Start-ups, rechtliche Rahmenbedingungen, internationale Zusammenarbeit über rechtliche Rahmenbedingungen des Betriebs von Speichern berichtet. Die Schwerpunkte seines Vortrages bilden Strompreisbestandteile, die EEG Umlage, Fragen des Messens und Schätzens sowie Chancen und Risiken von Stromspeichern als Power-to-Baustein.

Herr Dr. Richter, Sie haben sich bereits in den Jahren 2008 bis 2012, während ihrer Promotion, mit umweltrechtlichen Fragen auseinandergesetzt. Warum haben Sie sich bei all den zahlreichen rechtlichen Themengebieten für Umweltrecht entschieden?

Die Themen Nachhaltigkeit und vor allem Erneuerbare Energie haben mich schon während meines Jurastudiums sehr stark interessiert. Schon damals war der Klimaschutz eines der zentralen gesellschaftlichen Themen, für das auch ich mich engagieren wollte. Man muss sich nur einmal vergegenwärtigen, dass das Wort „Klimakatastrophe“ schon 2007 zum Wort des Jahres gewählt wurde, und das lange bevor die Bundesregierung nach der Atomkatastrophe von Fukushima die „Energiewende“ ausgerufen hat. Hinzu kommt, dass im Jahr 2008 durch die damalige rot-grüne Regierung eine der grundlegenden Novellen des EEG angestoßen und vom Bundestag letztlich auch verabschiedet worden ist, die dann mit dem Inkrafttreten des EEG 2004 in der Folge zu einem weltweit einzigartigen Boom erneuerbarer Energien geführt hat. Als Jurist, der sich nicht nur mit theoretischen Rechtsfragen, sondern mit greifbaren und praktischen Problemen beschäftigen wollte, war es für mich daher umso spannender, mich gerade mit der Entwicklung des Rechts der Erneuerbaren Energien auch akademisch auseinanderzusetzen.

Seit mehr als 10 Jahren beraten und vertreten Sie, neben zivilrechtlichen Angelegenheiten, Mandanten in allen Fragen des Energierechts. Welche energierechtlichen Themen bilden hierbei ihre Schwerpunkte beziehungsweise welche energierechtlichen Fragen tauchen in ihrer täglichen Arbeit konstant auf? 

Naturgemäß stellt gerade das EEG und seine zwischenzeitlich nahezu unüberschaubaren Novellierungen einen Kernbereich meiner anwaltlichen Tätigkeit dar. Hier habe ich zahlreiche Rechtsfragen durch sämtliche Instanzen bis hin zum Bundesgerichtshof betreut. Zudem sind wir mit unserer Kanzlei in den großen Branchenverbänden der Erneuerbaren Energien, wie etwa dem Bundesverband Windenergie oder dem Fachverband Biogas, engagiert. Auch wenn rein förderrechtliche Fragen zwischenzeitlich etwas an Bedeutung verloren haben, hat das EEG gerade im Hinblick auf die auch und vor allem für dezentrale Energieversorgungskonzepte sowie für Speicher-und Power-to-X-Technologien anfallende EEG-Umlage auch aktuell noch eine herausgehobene Bedeutung.

Seit mehreren Jahren liegt ein besonderer Fokus meiner Tätigkeit vor allem auf dezentralen Energieversorgungskonzepten. Deswegen beraten wir Mandanten – neben der „klassischen“ Vertragsgestaltung – vor allem auch zu energiewirtschaftsrechtlichen und (energie-)steuerrechtlichen Fragen.

Neben ihrer Tätigkeit als Rechtsanwalt, Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der prometheus Rechtsanwaltsgesellschaft mbH in Leipzig, referieren und publizieren Sie regelmäßig zu Rechtsfragen des EEG, des KWKG und des EnWG. Können Sie bitte einige Bespiele hierfür nennen?

Meine Kollegen und ich verfolgen seit jeher einen stark akademisierten Beratungsansatz. Dementsprechend fördern wir nicht nur den juristischen Nachwuchs, in dem wir wissenschaftliche Mitarbeiter auf dem Weg zu ihrer Promotion begleiten. Ich selber engagiere mich überdies als Prüfer im juristischen Staatsexamen in Sachsen. Meine Kollegen und ich beteiligen sich außerdem regelmäßig mit Fachbeiträgen am juristischen Diskurs um aktuelle Fragen des Rechts der Erneuerbaren Energien. Unsere Beiträge sind etwa in den Standardwerken „Biogasanlagen im EEG“ sowie dem „Windhandbuch“ des C. H. Beck Verlags erschienen. Außerdem veröffentlichen wir in Fachzeitschriften wie etwa der NVwZ, der ZNER oder der Energie und Recht (ER), bei der ich selber im wissenschaftlichen Beirat mitwirke.

Zudem sind wir regelmäßig als Referenten zu sämtlichen aktuellen Fragen der Erneuerbaren Energien tätig; und zwar ebenso im Rahmen von Einzelvorträgen als auch bei Ganz- oder Mehrtagesseminaren. Meine eigene Vortragstätigkeit ist dabei schwerpunktmäßig natürlich auf das Energierecht bezogen.

Zur erstmalig stattfindenden EAST Energy And Storage Technologies exhibition & conference am 16. und 17. September 2019 im CongressCenter der Erfurter Messe werden Sie als Referenten im Workshop Finanzierungen, Start-ups, rechtliche Rahmenbedingungen, internationale Zusammenarbeit über rechtliche Rahmenbedingungen des Betriebs von Speichern sprechen. Welche Relevanz besitzt diese Thematik, ihrer Meinung nach, im Gesamtkontext der Energiewende? 

Der Betrieb von Stromspeichern ist meiner Meinung nach, nicht zuletzt angesichts des schleppenden Netzausbaus, ein zentraler Baustein der Energiewende. Leider existiert jedoch kein bislang einheitlicher Rechtsrahmen, sodass die Praxis sowohl rechtlich als auch tatsächlich mit einer Fülle von Problemen konfrontiert ist, die nicht selten die Wirtschaftlichkeit eines Speicherprojekts infrage stellen.

Mit meinem Vortrag möchte ich daher den Konferenzteilnehmern einen ersten Überblick über die beim Betrieb von Stromspeichern zu beachtenden rechtlichen Rahmenbedingungen sowie über die aktuellen Praxisprobleme wie etwa anfallende Strompreisbestandteile, natürlich die EEG-Umlage oder Fragen des Messens und Schätzens verschaffen.

In ihrem Vortrag werden Sie unter anderem auf Chancen und Risiken von Stromspeichern als Power-to-Baustein eingehen. Wo sehen Sie diese zukünftig?

Wie schon gesagt, angesichts des aktuellen Ausbaustandes unseres Stromnetzes und angesichts der absehbaren Ausbaugeschwindigkeit wird eine erfolgreiche Energiewende nur dann gelingen, wenn ja durchaus vorhandene Stromressourcen nicht sinnlos weggeregelt, sondern vom Strom- in andere Zielsektoren überführt werden. Angesichts der zahlreichen regulatorischen Hindernisse besteht an dieser Stelle aber ein erheblicher Handlungsbedarf vor allem von Seiten des Gesetzgebers.

Was mich diesbezüglich aber sehr positiv stimmt, sind erste deutliche Signale des Gesetzgebers in Richtung eines gezielten Abbaus von Hemmnissen, wie er etwa im Zuge der Änderung des § 118 EnWG durch die gerade erst verabschiedete Novelle des Energiedienstleistungsgesetzes vorgenommen worden ist. Gerade hierin wird aber deutlich, dass die Branche wie auch die gesamte Gesellschaft vor allem mit gemeinsamer, konzertierter Anstrengung Änderungen auch auf politischer Ebene gleichsam erzwingen kann.

Wenn es uns gelingt, diesen erfreulichen Weg weiter voranzutreiben, dann werden gerade Stromspeicher auch real einer der zentralen Bausteine für eine erfolgreiche Energiewende sein.

Können Sie abschließend neben der Speicherthematik weitere Aspekte benennen, die aus ihrer Sicht zum Gelingen einer erfolgreichen Energiewende notwendig sind? 

Was für Speicher gilt, gilt meines Erachtens nach natürlich genauso für die anderen Power-to-X Technologien. Hier bedarf es nicht nur des stetigen Abbaus rechtlicher Hürden, sondern unter Umständen auch einer gezielten Förderung, wie wir sie etwa aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien kennen.

Daneben muss natürlich der Netzausbau stetig vorangetrieben werden. Schließlich ist auch zu berücksichtigen, dass in den kommenden Jahren die ersten EE-Stromerzeugungsanlagen aus ihrer 20-jährigen gesetzlichen Forderung herauswachsen.

Will man nicht riskieren, dass hier ein enormes,bereits vorhandenes Stromerzeugungspotenzial mangels weiterer Betriebsperspektiven zurückgebaut wird, so wird sich die Politik auch dringend Gedanken um Konzepte einer Anschlussförderung machen müssen, wie wir sie etwa aus dem Bereich der Biomasse bereits kennen. Dies umso mehr, als die gegenwärtig als Allheilmittel gepriesenen PPA aktuell allenfalls in den Kinderschuhen stecken.

Kurzvita

Dr. Christoph Richter berät und vertritt Mandanten in allen Fragen des Energierechts sowie in zivilrechtlichen Angelegenheiten.

Seit mehr als 10 Jahren beschäftigt er sich intensiv mit Rechtsfragen des EEG, des KWKG und des EnWG, zu denen er regelmäßig referiert und publiziert.

Dr. Richter ist Prüfer in der Ersten Juristischen Staatsprüfung in Sachsen und wissenschaftlicher Beirat der Zeitschrift EnergieRecht (ER).

seit 2018

Rechtsanwalt, Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer bei der prometheus Rechtsanwaltsgesellschaft mbH in Leipzig

seit 2016

Prüfer im Sächsischen 1. Juristischen Staatsexamen

2012 – 2016

Dozent für Zivil- und Zivilprozessrecht an der Fernuniversität Hagen

seit 2012

Rechtsanwalt, davor 4 Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter in überregionaler Rechtsanwaltskanzlei mit dem Schwerpunkt Erneuerbare Energien

2008 – 2012

Promotion zu umweltrechtlichem Thema

17. Mitteldeutsches Energiegespräch
am 04. April 2019 in Leipzig

17. Mitteldeutsches Energiegespräch am 20. November 2018 in Leipzig

“Ein Fossiler im Wandel? – Die Gaswirtschaft im 21. Jahrhundert!”

Das 17. Mitteldeutsche Energiegespräch analysiert die Gaswirtschaft im 21. Jahrhundert, insbesondere die Chancen und Entwicklungen grüner Gase mit dem Fokus auf Mitteldeutschland in einem ersten “MDEG–Spezial” der Gesprächsreihe.

Im Fokus der Veranstaltung steht keine “Nabelschau” der Branche, sondern die Widerspiegelung der aktuellen Debatte um die Zukunft der Gaswirtschaft im Kontext der Energiewende und zugleich die Identifizierung von Impulsgebern im mitteldeutschen Raum.

Angestrebt wird eine Diskussion vor dem Hintergrund der internationalen Situation. Parallel wird begleitend zum Thema des 17. MDEG ein mitteldeutscher Kompetenzatlas in Form einer deskriptiven Kurzstudie erarbeitet.

Podiumsgäste:

Thorsten Herdan, Abteilungsleiter II für Energiepolitik – Wärme und Effizienz des BMWi

Dr. Patrick Graichen, Direktor Agora Energiewende

Ulf Heitmüller, CEO VNG AG

Jörg Müller, CEO ENERTRAG AG

Ina Stevens, Geschäftsführerin EBISUblue – Büro für internationale Ingenieurdienstleistungen

Moderation:

Rainer Otto, Geschäftsführer Vi-Strategie GmbH  

Zeit: 04. April 2019, 19:00 Uhr (Einlass: 18:00 Uhr)

Ort: HALLE 14 – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Leipziger Baumwollspinnerei, Spinnereistraße 7, 04179 Leipzig

Thema: “Ein Fossiler im Wandel? – Die Gaswirtschaft im 21. Jahrhundert!

Nähere Einzelheiten zum Gespräch sowie den organisatorischen Ablauf entnehmen Sie bitte dem Flyer.

Diesen können Sie HIER ansehen.

Weitere Informationen zur Gesprächsreihe finden Sie bitte auch auf www.mitteldeutsches-energiegespräch.de.

Für die freundliche Unterstützung des 17. Mitteldeutschen Energiegesprächs danken die Organisatoren:

16. Mitteldeutsches Energiegespräch
am 20. November 2018 in Leipzig

16. Mitteldeutsches Energiegespräch am 20. November 2018 in Leipzig

Energiewende – smart und innovativ

Tour d´Horizon über denkbare, mögliche und neue Geschäftsmodelle

Das 16. Mitteldeutsche Energiegespräch gibt eine Tour d´Horizon über denkbare, mögliche und neue Geschäftsmodelle der Integrierten Energiewende, die durch den disruptiven Charakter der stattfindenden Prozesse zahlreiche Chancen, aber auch Risiken bieten.

Durch die Digitalisierung wird die Integrierte Energiewende eine neue Dynamik entfalten. Die Frage ist, wer sich mit welchen Geschäftsmodellen am Energiemarkt der Zukunft behaupten wird. Dabei spielen Schnelligkeit, Mut und Kreativität eine entscheidende Rolle.

Auch die Kunden werden davon künftig immer mehr profitieren.

Diskutieren Sie mit Experten das Thema in angenehmer Atmosphäre.

Nähere Einzelheiten zum Gespräch sowie den organisatorischen Ablauf entnehmen Sie bitte dem Flyer.

Diesen können Sie HIER ansehen.

Weitere Informationen zur Gesprächsreihe finden Sie bitte auch auf www.mitteldeutsches-energiegespräch.de.

15. Mitteldeutsches Energiegespräch am 04. Juni 2018 auf Schloss Ettersburg (bei Weimar)

AKTUELL IM ANSCHLUSS AN DEN 8. THÜRINGER BREITBANDGIPFEL – 15. MITTELDEUTSCHES ENERGIEGESPRÄCH AM 04. JUNI 2018 AUF SCHLOSS ETTERSBURG 

Energiewende – Zukunft Breitband?

Ziel 2025: Gigabit-Gesellschaft – Eine “fortgeschrittene Informationsgesellschaft, die vollständig von Informations- und Kommunikationstechnik durchdrungen ist”

Das 15. Mitteldeutsche Energiegespräch widmet sich dem Thema Breitband als wichtigem Faktor einer zukunftsfähigen Wirtschafts- und Versorgungsstruktur und reflektiert den 8. Thüringer Breitbandgipfel vom gleichen Tag in Erfurt.
“Wir gestalten den Weg in die Gigabit-Gesellschaft mit höchster Priorität”, so heißt es hierzu im am 12. März 2018 unterschriebenen Koalitionsvertrag, “Deshalb wollen wir den flächendeckenden Ausbau mit Gigabit-Netzen bis 2025 erreichen.
Wir wollen den Netzinfrastrukturwechsel zur Glasfaser. Unser Ziel lautet: Glasfaser in jeder Region und jeder Gemeinde, möglichst direkt bis zum Haus.
Schulen, Gewerbegebiete, soziale Einrichtungen in der Trägerschaft der öffentlichen Hand und Krankenhäuser werden wir bereits in dieser Legislaturperiode direkt an das Glasfasernetz anbinden.

Dafür ist eine gemeinsame Kraftanstrengung von Telekommunikationsanbietern und Staat erforderlich. Wir gehen von einem öffentlichen Finanzierungsbedarf von zehn bis zwölf Milliarden Euro in dieser Legislaturperiode aus, die wir in einem Gigabitinvestitionsfonds verlässlich bereitstellen.

Hierfür werden wir die Erlöse aus der Vergabe der UMTS- und 5G-Lizenzen zweckgebunden bereitstellen und wollen bis 2021 im Haushalt sicherstellen, dass das Fördervolumen insgesamt erreicht wird.”

Diskutieren Sie mit Experten das Thema in angenehmer Atmosphäre.

Nähere Einzelheiten zum Gespräch sowie den organisatorischen Ablauf entnehmen Sie bitte dem Flyer.

Diesen können Sie HIER ansehen.

detektor.fm führt Interview mit Geschäftsführer Vi-Strategie GmbH zur Sektorkopplung als nächsten Schritt der Energiewende

Nachlese zum 14. Mitteldeutschen Energiegespräch am 19. April 2018 in Leipzig

detektor.fm führt Interview mit Geschäftsführer Vi-Strategie GmbH zur Sektorkopplung als nächsten Schritt der Energiewende

Die Veranlassung brachte das 14. Mitteldeutsche Energiegespräch (MDEG) am 19. April 2018 im Club International in Leipzig.
Das 14. MDEG widmete sich einer TOUR D´HORIZON ZUM STAND DER ENERGIE-, WÄRME-, UND MOBILITÄTSWENDE ANHAND DER POLITISCHEN NOTWENDIGKEITEN DES KOALITIONSVERTRAGES in der Gesellschaft.

Mehr als 100 Interessierte waren gekommen, das Teilnehmerverzeichnis offenbarte sogar etwa 125, darunter auch Merten Waage. Der Redakteur des Internetradios detektor.fm beschäftigt sich seit längerem mit der Energiewende, macht Podcasts hierüber. Er war ob der persönlichen Atmosphäre des Abends, der interessanten Gäste, sowohl im Podium wie auch im Auditorium, und der informativen Diskussionen beeindruckt.

Und so kam er denn auch rasch mit dem Veranstalter und Moderator des Abends ins Gespräch, und man vereinbarte, den Kontakt zu halten. Das dies dann so schnell in ein Interview mündete, konnte keiner vorhersehen. Acht Tage später kam es zur Verabredung eines Interviews zum Thema Sektorkopplumng.

Mit Genehmigung von detektor.fm wird nachfolgend die Website sowie Teil 1 und (ab 10.05.2018) Teil 2 der Podcasts mit dem Interview zum Thema Sektorkopplung wiedergegeben.


Wissen  Mission Energiewende | Sektorkopplung

Strom, Wärme und Verkehr zusammen denken

Bisher werden die verschiedenen Bereiche bei der Energiewende getrennt voneinander betrachtet. Strom erzeugen, Wärme gewinnen und Verkehr sind aber Dinge, die miteinander verzahnt funktionieren müssen. Das Konzept der Sektorkopplung ist der nächste Schritt in der Energiewende.

Aus Windenergie Wasserstoff herstellen? So könnte der Strom, zumindest in Zukunft, effizienter gespeichert werden.
Foto: Merten Waage | detektor.fm.

“Mission Energiewende“ – Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Deutschland. Eine Kooperation mit LichtBlick und WWF.

Auf dem Weg zur Sektorkopplung

In Deutschland sind bisher alle Weichen darauf gestellt, dass die Energiewende kommen kann. Es gibt den technologischen Fortschritt, mit dem wir aus regenerativen Quellen Strom gewinnen können. Es gibt Windparks und Solarkraftwerke, die mittlerweile etwa 18 Prozent des Strombedarfs in Deutschland abdecken können. Und es gibt mittlerweile Speicher, die diesen Strom zu Teilen speichern können.

Das ist der Anfang, und sicher nicht das Ende der Vorbereitungen zur Energiewende. Ziel ist es immerhin, irgendwann vollkommen auf fossile Brennstoffe zu verzichten und alle Bereiche der Energieversorgung durch erneuerbare Quellen abdecken zu können. Dabei dürfen die Bereiche – auch Sektoren genannt – wie Elektrizität, Wärme und Verkehr nicht länger allein betrachtet werden. Sie müssen ineinander verzahnt funktionieren. Bei diesem Konzept spricht man von Sektorkopplung.


Das ist die neue Phase der Energiewende. Dabei sind wir gerade in der Analyse und in der Schaffung der Voraussetzungen. – Rainer Otto, Berater für nachhaltige und ökologische Unternehmensfragen und Gründer der Mitteldeutschen Energiegespräche.


Eine neue Herausforderung

Bei der Sektorkopplung geht es aber auch um die Bewältigung von Problemen. Wie können zum Beispiel sonnenarme oder windstille Tage ohne Probleme überwunden werden? Außerdem entstehen natürliche Schwankungen bei erneuerbaren Energien, die es zu kompensieren gilt.

Durch die Umwandlung von Strom in andere Energieformen, die sich leichter speichern lassen, könnte man diese Probleme zum Beispiel lösen. Ein weiteres Ziel der Sektorkopplung ist es, Bereiche der Wirtschaft so zu optimieren, dass sie weniger Energie verbrauchen oder sogar in der Zukunft einen Teil zur Energiegewinnung beisteuern können.

Wie das funktionieren kann, hat detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit Redakteur Merten Waage besprochen.

Teil 1 des Interviews können Sie bitte HIER auf dem Podcast hören.

LANDESGRUPPE THÜRINGEN DES VKU BEENDET ERFOLGREICHES JAHR
MIT EINEM PARLAMENTARISCHEN ABEND

Landesgruppe Thüringen des VKU
beendet erfolgreiches Jahr
mit einem Parlamentarischen Abend

Wie steht es mit der weiteren Umsetzung der Energiewende in Deutschland und Thüringen/
Möglichkeiten einer effizienten Netz- und Systemsteuerung aus Sicht der Verteilnetzebene

Mit einem Parlamentarischen Abend würdigt die Landesgruppe Thüringen des Verbandes kommunaler Unternehmen e. V. (VKU) am 12. Dezember 2017 den Stand der Umsetzung der Energiewende in Deutschland und Thüringen. Der Zeitpunkt ist sehr gut gewählt, denn In knapp zwei Jahren sind in Thüringen Wahlen, und nach der Bundestagswahl geht es darum, den energiepolitischen Kurs für die kommenden Jahre in Deutschland festzulegen. Anlässe genug, um sich im parlamentarischen Raum, aber auch generell in der Öffentlichkeit zu Wort zu melden, denn aus Sicht des VKU geht es darum, dass die deutsche Energiepolitik der Entwicklung hin zu einem dezentralen Energiesystem Rechnung trägt und die Rolle der Verteilnetz-Betreiber stärkt.

“Die Möglichkeiten einer effizienten Netz- und Systemsteuerung wandern durch den dezentralen Ausbau  der Erneuerbaren Energien und den steigenden Anteil von Prosumern immer mehr in die Verteilnetzebenen.”, heißt es in der Einladung zum Parlamentarischen Abend.

“Damit verlagern sich auch die Flexibilitäten zur Steuerung der Energiesysteme zunehmend in die regionalen Verteilnetze.”

Mehr zur Systemverantwortung für Verteilnetzbetreiber finden Sie bitte HIER.

“Mit der Energiewende geht ein Wechsel von der bisherigen, zentralen und hierarchisch geprägten zu einer dezentralen, volatilen Erzeugungsstruktur einher. Der Zubau und Anschluss erneuerbarer Erzeugungskapazitäten erfolgt fast ausschließlich in den Spannungsebenen der Verteilnetze. Unbestritten ist, dass dadurch die Anforderungen an den Netz- und Systembetrieb steigen. Es stellt sich jedoch die Frage, inwiefern sich die heutige Struktur zur Steuerung des Energiesystems an diesen Wandel anpassen muss.”, heißt es vom VKU, der im März 2017 hierzu ein Gutachten beauftragt.

Zentrale Ziele für die Gutachtenerarbeitung waren dabei:

  • die Entwicklung von Handlungsoptionen für Verteilnetzbetreiber (VNB) zur Bewältigung der anstehenden netzwirtschaftlichen Herausforderungen und
  • die Ableitung einer neuen Qualität der Zusammenarbeit von Netzbetreibern im dezentralen Energiesystem.

Im Ergebnis des Gutachtens übernehmen die VNB verstärkt Systemverantwortung, um auch in einem zunehmend dezentralen Energiesystem den sicheren Netz- und Systembetrieb zu gewährleisten. Dafür sind die Stärkung der Rolle der VNB und die energiegesetzliche Verankerung der “intelligenten Verteilnetzkaskade” notwendige Anpassungen (Quelle: Mehr dazu unter https://www.vku.de/energie/veroeffentlichungen-gutachten.html).

VKU-SOMMERFEST DER LANDESGRUPPE
THÜRINGEN IN APOLDA

LANDESGRUPPE THÜRINGEN DES VKU VERBAND KOMMUNALER UNTERNEHMEN e. V.
LÄDT ZUM SOMMERFEST AUF DIE LANDESGARTENSCHAU NACH APOLDA

Diskussion mit prominenten Gästen zum Stand der Energiewende im Klimapavillion

Herrlicher Sonnenschein und reger Besucherandrang am letzten offenen Donnerstag der 4. Thüringer Landesgartenschau (29.04. – 24.09.2017) waren beste Indikatoren und angenehmen Rahmenbedingungen für ein gelungenes Sommerfest. Die persönlichen Einladungen hierzu, an Bürgermeister, Abgeordnete des Thüringer Landtages, des Bundestages sowie des Europaparlamentes, an die Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer der kommunalen Unternehmen sowie an Vertreter von Beratungsunternehmen kamen von der Landesgruppe Thüringen des VKU Verband Kommunaler Unternehmen e. V. und von der Energieversorgung Apolda GmbH.

Und so fanden sich etwa 90 Gäste zunächst zu einer Podiumsdiskussion im Klimapavillion der Landesgartenschau ein. Die Moderation übernahm der Redakteur der Ostthüringer Zeitung Volkhard Paczulla. Für die Thüringer Landesregierung nahm deren Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz Anja Siegesmund teil.

Weitere Podiumsteilnehmer waren der Fraktions- und Landesvorsitzender der CDU Thüringen Mike Mohring sowie als Stadtwerkegeschäftsführer Thomas Zaremba, Geschäftsführer der Stadtwerke Energie Jena-Pößneck GmbH, und Ulrich Gabel, Geschäftsführer der Eichsfeldwerke GmbH.

Schwerpunkt der Diskussion sollten der Entwurf des Thüringer Klimagesetzes sowie die integrierte Energie- und Klimaschutzstrategie  der Landesregierung sein, doch die Diskussion kam nicht aus einer wechselseitigen Bestandsaufnahme heraus und lieferte keine gemeinsamen Ansätze Thüringer Energie- und Klimaschutzpolitik.

Unter der Moderation von Volkhard Paczulla, Redakteur der Ostthüringer Zeitung (2. v. r.), diskutieren Anja Siegesmund, Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz (Mitte), Mike Mohring, Fraktions- und Landesvorsitzender der CDU Thüringen (li.), Thomas Zaremba, Geschäftsführer der Stadtwerke Energie Jena-Pößneck GmbH (2. v. li.) und Ulrich Gabel, Geschäftsführer der Eichsfeldwerke GmbH (r.) den Entwurf des Thüringer Klimagesetzes sowie die integrierte Energie- und Klimaschutzstrategie  der Landesregierung.

Foto: A. Ludwig

“Wir sind für eine ideologiefreie Energiewende”, so Mike Mohring, und Anja Siegesmund stellte fest, dass ohne klare Weichenstellung in der Klimapolitik (Stichwort Braunkohle) keine denkbare

künftige Regierungszusammenarbeit in Berlin gegeben sein würde. Ulrich Gabel machte aus Sicht seines Unternehmens deutlich, dass es Vertrauen in nachhaltiges Regierungshandeln geben muss und nicht jede Legislaturperiode Kehrtwenden zu verzeichnen sein sollten. Die Forderung galt beispielsweise einem grundsätzlichen Masterplan, dessen Basis Thomas Zaremba am Beispiel technologieoffener und wirtschaftlich determinierter Gegebenheiten klug illustrierte (Sektorenkopplung basiert auf Übergangstechnologien, ist nicht zum Nulltarif zu haben und benötigt Zeit.)

Bleibt festzuhalten, Klimawandel und Energiewende sind Dauerbrenner der Politik. Versorgungssicherheit, Machbarkeit, Umweltverträglichkeit und Bezahlbarkeit beschreiben das mehrdimensionale Ziel der Energiewende. Die Energiewende in Deutschland ist ein Jahrhundertprojekt, das – einhergehenden mit dem demografischen Veränderungen, aber auch den digitalen Herausforderungen – zu Neuorientierungen von bisher unbekanntem Ausmaß in Wirtschaft und Gesellschaft führen wird.
Es ist begrüßenswert, dass die Diskussion im Rahmen eines Parlamentarischen Abends im Dezember 2017 ihre Fortsetzung finden soll.

Im Anschluss an die Diskussion luden VKU Landesgruppe Thüringen und Energieversorgung Apolda GmbH zu einem Sommerbuffet ins Restaurant am Seerosenteich, wo Entscheider aus Politik, Verwaltung, Medien und kommunaler Wirtschaft ihre Gespräche fortsetzten.

Landesfachkommission Energiepolitik
zu Gast bei KERN TECHNIK GmbH & Co. KG

LANDESFACHKOMMISSION ENERGIEPOLITIK ZU GAST BEI KERN TECHNIK GMBH & CO. KG IN SCHLEUSINGEN

Mark Hauptmann, MdB, Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Energie im Deutschen Bundestag,
würdigt den Stand der Energiewende

Mark Hauptmann (stehend) während seiner Ausführungen zur Energiewende; neben ihm ( re.) Henry Worm, Mitglied des Thüringer Landtages.
Fotos: Cordula Schmidt/Karsten Seifert/Rainer Otto

Wie steht es um die Energiewende, insbesondere vor der Wahl des neuen Bundestages, aber auch auf dem Hintergrund Thüringer Überlegungen zu einem Landesklimagesetzes und daraus schlussfolgernder Ansätze derzeitiger Thüringer Energiepolitik.
Der KERN TECHNIK GmbH & Co. KG in Schleusungen, selbst ein großer Energieverbraucher, die sich seit den frühen Anfängen der Magnettechnik intensiv mit der Erforschung und Weiterentwicklung der Magnettechnologie beschäftigt und somit auf ein halbes Jahrhundert Erfahrung und Erfolge zurück greift, ist es zu danken, Gastgeber für einen solchen Meinungsaustausch in Südthüringen zu sein, an dem zahlreiche Mittelständler teilnahmen.

Mark Hauptmann, MdB, Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Energie im Deutschen Bundestag, würdigte als Gast den Stand der Energiewende und nahm zahlreiche Hinweise der Anwesenden auf.

Die Diskussion reflektierte sehr breit das Thema. Die anwesenden Mittelständler machten deutlich, wo Handlungsbedarf besteht, um Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit auch künftig zu sichern. So wird von der Politik Kontinuität und Planmäßigkeit erwartet, die über eine Legislaturperiode hinaus geht und damit längerfristige innerbetriebliche Planungen ermöglicht. Auch ist die Energiewende kein Selbstzweck. Vielmehr soll sie den Kohlendioxid-Ausstoß senken und helfen, die Klima-Ziele zu erreichen. Erörtert wurden Überlegungen, die Finanzlasten der Energiewende möglichst neu zu verteilen oder zu reduzieren.

Ebenfalls diskutiert wurden landschaftsgestalterische Fragen. Der Bund plant den Umbau zu einer “all-electric-society”, in der nicht nur der heutige Elektrizitätsbedarf, sondern auch andere Sektoren wie der Verkehr und die Gebäudeheizung an Ökostrom “gekoppelt” werden. Dafür wird vielleicht sechs- oder siebenmal mehr Ökostrom als heute gebraucht. Kann man sich da vorstellen, die Zahl der Windräder, so ein Thema, zwangsläufig auch bis 2040 zu verfünffachen. In der Antwort wurde auf künftige höhere Leistungsfähigkeit von Windkraftwerken verwiesen sowie auf jene auf hoher See, und man war sich einig, dass es keine “Verspargelung der Landschaft” geben kann.

Es gibt nach wie vor Regionen in Deutschland, in denen die Leute den Ausbau der Windenergie wollen, aber eben auch andere, in denen eine Ablehnung vorherrscht. Wichtig ist, alle diese Fragen im Konsens mit den Bürgern zu lösen und nicht über ihre Köpfe hinweg. Die Energiewende bleibt ein Dauerbrenner der Politik.