Ein kostspieliger Netzausbau löst die zeitliche Problematik durch die erneuerbaren Energien nicht – die Verwendung von E-Fahrzeugen als Speicher geht mit enormer Unsicherheit in der Sicherstellung der Versorgung einher.

Referenten der EAST Energy And Storage Technologies am 16./17.09.2019 in Erfurt (26): Vortrag über Homecharge – Konzept für innovatives und netzdienliches Laden von Elektrofahrzeugen

Ein kostspieliger Netzausbau löst die zeitliche Problematik durch die erneuerbaren Energien nicht – die Verwendung von E-Fahrzeugen als Speicher geht mit enormer Unsicherheit in der Sicherstellung der Versorgung einher.

Michael Bartenstein: Meines Erachtens ist die Politik gefragt, Forschung, Energieversorger sowie die Technikzulieferer zu befähigen, eine sinnvolle Speicherinfrastruktur zu implementieren.

Am 16./17. September 2019 startet die erste EAST Energy And Storage Technologies exhibition & conference im CongressCenter der Erfurter Messe.

In loser Folge interviewt im Vorfeld AKTUELLES Redner, die in den verschiedenen Workshops mit ihren Themen zum Gelingen der EAST beitragen.

Heute gelten die Fragen Michael Bartenstein, der im Workshop Sektorübergreifendes Energiemanagement über Homecharge – Konzept für innovatives und netzdienliches Laden von Elektrofahrzeugen berichtet.

Herr Bartenstein, Sie sind als Key Account Manager für die 2017 gegründete Homecharge GmbH tätig.

Die Unternehmensgründung erfolgte aufgrund der Vermarktung des Forschungsvorhabens sMobiliTy, welches durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wurde.

Können Sie das Forschungsvorhaben sMobiliTy bitte genauer erläutern?

sMobility beabsichtigte zu zeigen, wie durch die informationstechnische Verbindung unterschiedlicher Sektoren innovative Unterstützungsdienste für Elektrofahrzeuge möglich werden.

Ein Beispiel war die Entwicklung eines Konzeptes für netzdienliches Laden im Bereich von Ein- und Zweifamilienhaussiedlungen. Dieses Konzept konnte unter Nutzung des §14a EnWG zeigen, das Netzausbau durch Elektromobilität vermieden bzw. stark reduziert werden kann. Die erfolgreiche Erprobung im Rahmen des Forschungsprojektes führte dann zur Gründung der Homecharge GmbH.

Wie haben Sie rückblickend die Gründung der Homecharge GmbH als Start-up begleitet und wahrgenommen?

Die Gründung selbst habe ich nicht erlebt, da ich erst seit einem Jahr die Geschichte der Homcharge mitgestalte.

Aber mit einem innovativen Konzept und guten Angeboten sind die Kunden gerne bereit neue Wege zu gehen. Dies macht mir als Key-Account dann auch Freude.

Wie sieht das Leitbild der Homecharge GmbH aus und welche Produktpalette stellen Sie ihren Kunden zur Verfügung?

„Innovativ.Günstig.Netzdienlich“ umschreibt unser Konzept, mit welchem wir sinnvolle Ladeinfrastruktur für Energieversorger anbieten, die Ladeleistungen von 3,7 über 11 bis hin zu 22 kW AC bedienen und, mittels vom Energieversorger definierten Tarifen und ggf. Sperrzeiten, einen fortwährenden Preisvorteil bei geringen Einstiegskosten für den Endverbraucher bieten.

Auf der Internetseite wirbt das Unternehmen mit Elektromobilität als neuem Absatzmarkt für Energieversoger. Welche Bedeutung hat dieser neue Absatzmarkt aus ihrer Sicht?

Mit der Zäsur im Bereich der Mobilität, die den klassischen Stromvertrieb zum allumfassenden Energieversorger – sprich auch „Treibstofflieferanten“ – macht, werden Energieversorger per se einen erhöhten Absatz an Strom pro Zähler verbuchen können, welcher sich nach aktuellen Schätzungen bis zu 4.000 kWh per annum belaufen wird. Skaliert auf die Zahl der Haushalte mit E-Fahrzeugen, spricht diese Zahl für sich.

Zur EAST Energy And Storage Technologies exhibition & conference am 16. und 17. September 2019 im CongressCenter der Erfurter Messe werden Sie als Referent im Workshop Sektorübergreifendes Energiemanagement über ihr Unternehmenskonzept für innovatives und netzdienliches Laden von Elektrofahrzeugen sprechen. Welche Relevanz besitzt diese Thematik, ihrer Meinung nach, im Gesamtkontext der Energiewende? 

Aufgrund der genannten Stromabsatzzahlen ist die Thematik nicht nur für die Energiewende von Relevanz, sondern eben auch für die Richtlinien zur Einhaltung der CO2-Reduzierung im Bereich der Mobilität. Beide Bereiche sind bekanntermaßen nicht losgelöst voneinander zu denken, so dass eine sinnvolle und wirtschaftliche Steuerbarkeit der Ladeinfrastruktur unvermeidbar ist. Auch in Regionen mit augenscheinlich geringer Belastung durch E-Fahrzeuge.

Innerhalb der Elektromobilität kommt dem Speichern von Energie eine tragende Rolle zu.

Welche Fragen gilt es, aus ihrer Sicht, hierbei zu klären beziehungsweise welche thematischen Schwerpunkte sollten die Grundlage bilden?

Ob die Nutzung von E-Fahrzeugen als temporäre Speicher zielführend, respektive durchsetzbar ist, bleibt fraglich.

Dennoch ist die besagte Vereinbarkeit von Energie- und Mobilitätswende ohne Speicher nicht denkbar.

Ein kostspieliger Netzausbau löst die zeitliche Problematik durch die erneuerbaren Energien nicht – die Verwendung von E-Fahrzeugen als Speicher geht mit enormer Unsicherheit in der Sicherstellung der Versorgung einher.

Meines Erachtens ist die Politik gefragt, Forschung, Energieversorger sowie die Technikzulieferer zu befähigen, eine sinnvolle Speicherinfrastruktur zu implementieren.  

Können Sie abschließend für die Homecharge GmbH einen Blick in die „Glaskugel“ werfen?

Bei aller Komplexität des langsam hochlaufenden Marktes, sind wir von Homecharge mit unserem Ladekonzept zur netzdienlichen sowie kundenfreundlichen Steuerung gut positioniert und freuen uns auf die Vertiefung der Kooperation mit unseren aktuellen und künftigen Partnern.

“Die Verkehrswende gelingt mit der Mobilitätswende und der Energiewende im Verkehr.” (These 01, Agora Verkehrswende, unter: www.agora-verkehrswende.de) Foto: PIXABAY

Qualifikation

2008 – 2014  

Master of Arts, Soziologie & Geschichte , Universität Erfurt/Beirut

 

2017

Wirtschaftsfachwirt, IHK

 

seit 2018  

Betriebswirt, IHK

In Erfurt werden wir die Stadt der Zukunft mitgestalten.

Referenten der EAST Energy And Storage Technologies am 16./17.09.2019 in Erfurt (25): Vortrag über das Bauhaus.Mobility Lab Erfurt

In Erfurt werden wir die Stadt der Zukunft mitgestalten.

Frank Schnellhardt: Mit dem Bauhaus.MobilityLab wollen wir mit dem Konzept eines „LAB as a Service“ und „LAB as a Incubator“ einen Beitrag zur Gestaltung zukünftiger Angebote leisten.

Am 16./17. September 2019 startet die erste EAST Energy And Storage Technologies exhibition & conference im CongressCenter der Erfurter Messe.

In loser Folge interviewt im Vorfeld AKTUELLES Redner, die in den verschiedenen Workshops mit ihren Themen zum Gelingen der EAST beitragen.

Heute gelten die Fragen Frank Schnellhardt, der im Workshop IKT / Digitale Vernetzung intelligenter Speicher über das Bauhaus.MobilityLab Erfurt berichtet.

Herr Schnellhardt, Sie sind Geschäftsführer und Innovationsmanager der 2001 gegründeten INNOMAN GmbH. Geben Sie bitte einen kurzen Überblick zu ihrem Unternehmen.

Die INNOMAN GmbH als Spezialist für externes Innovationsmanagement betreut seit fast 20 Jahren als full-service-Dienstleister Thüringer Unternehmen im Bereich der Entwicklung und Einführung neuer Produkte und Technologie und hat seit ihrer Gründung 2001 mit den derzeit 9 Mitarbeitern mehr als 250 F&E-Projekte mit einem Umfang von über 150 Mio € initiiert, geplant und koordiniert.

Die INNOMAN GmbH ist neben den Fraunhofer-Instituten IOSB-AST Ilmenau, IOSB Karlsruhe, ITWM Kaiserslautern, der Bauhaus-Universität Weimar und weiteren Wirtschaftspartnern Teil des Bauhaus.MobilityLab Erfurt-Teams.

Welche Idee verbirgt sich hinter diesem Reallabor?

Kurz gesagt, wir wollen in Erfurt in einem Reallabor die Zukunft der Angebote im Bereich Mobilitäts-, Logistik- und Energiedienstleistungen erproben. Dazu entwickeln wir eine KI-basierte Laborplattform und werden allen interessierten Anbietern in diesem Markt das Labor als „LAB as a Service“ verfügbar machen.

Auf der Internetseite des Reallabors steht „Als offener und evolutionärer Inkubator für innovative Service- und Infrastrukturprojekte profiliert sich das Bauhaus.MobilityLab zu einem Leuchtturm der Mobilitäts- und Energiewende.“ Können Sie dies bitte erläutern?

Disruptive Wandlungsprozesse, wie wir sie gerade im Bereich Mobilität oder Logistik erleben, sind sehr schwer vorherzusehen. Deshalb können auch Start-ups etablierte Unternehmen überraschen und neue Märkte erschließen. Mit einem Reallabor für Mobilität wollen wir zukünftiges Nutzerverhalten und zukünftige Angebote heute bereits erlebbar machen und durch eine hohe Angebotsdichte künftige Entwicklungen im Zeitraffer vorwegnehmen.

Evolutionär bedeutet dabei, dass wir gezielt die künftige Marktentwicklung in unserem Labor beschleunigt ablaufen lassen wollen. Offen heißt, wir laden alle Anbieter neuer Produkte und Dienstleistungen ein, ihre Angebote im Innovationsquartier Brühl in Erfurt unter realen Bedingungen zu erproben. Inkubator heißt jedoch zusätzlich, dass alle Laborkunden gemeinsam mit den Labornutzern in Form eines Co-Working oder Co-Creation-Prozesses ihre Angebote gezielt weiterentwickeln können.

Welches Ziel strebt das Projekt zukünftig an und wie sieht, aus ihrer Sicht, der denkbare Weg dorthin aus?

In Erfurt werden wir die Stadt der Zukunft mitgestalten. Mit dem Aufbau des Reallabors soll Erfurt zu einem Magnet für Anbieter aus den Bereichen Mobilität, Logistik, Verkehr und dezentrale Energiesysteme werden. Mit unterschiedlichen, begleitenden Konzepten wie einem Start-up-Accelerator, einer Transferallianz mit Thüringer Hochschulen und aktiven wissenschaftlichen sowie wirtschaftlichen Netzwerken wollen wir dieses Ziel gestalten.

Zur EAST Energy And Storage Technologies exhibition & conference am 16. und 17. September 2019 im CongressCenter der Erfurter Messe werden Sie als Referent im Workshop IKT / Digitale Vernetzung intelligenter Speicher über das Bauhaus.MobilityLab Erfurt berichten. Welche Relevanz besitzt das Thema Energiespeicher innerhalb ihres Reallabors?

Dezentrale Energiesysteme aus fluktuierender Erzeugung und schwankendem Verbrauch erfordern Energiespeicher als Puffer. Seit vielen Jahren werden geeignete Konzepte gesucht und erprobt. Die Integration in ein sektorübergreifendes Konzept in einem Quartier mit innovativen Mobilitäts- und Logistikleistungen kann dazu einen wertvollen Beitrag liefern.

Wie wichtig sind, aus ihrer Sicht, Projekte wie das Bauhaus.MobilityLab Erfurt für das Gelingen der Energiewende im Gesamtkontext?

Da wir die Zukunft nicht vorhersehen können, brachen wir Konzepte und Methoden zur Antizipation künftiger Entwicklungen. Mit dem Bauhaus.MobilityLab wollen wir mit dem Konzept eines „LAB as a Service“ und „LAB as a Incubator“ einen Beitrag zur Gestaltung zukünftiger Angebote leisten.

“Mit dem Aufbau des Reallabors soll Erfurt zu einem Magnet für Anbieter aus den Bereichen Mobilität, Logistik, Verkehr und dezentrale Energiesysteme werden.” Foto: PIXABAY

Kurzvita

seit 2001

Innovationsmanager, INNOMAN GmbH

1998-2001

Innovationsberater, Thüringer Agentur für Technologietransfer und Innovationsförderung GmbH

1996-1998

Studienförderkreises, Commerzbank AG

 

1994 – 1998  

Diplom-Kaufmann (Univ.), Betriebswirtschaftslehre, Friedrich-Schiller-Universität Jena 

1992 – 1993

Kreditsachbearbeiter, Commerzbank AG

1990 – 1992  

Bankkaufmann

Aktuell schon bestehende dezentrale Versorgungskonzepte werden durch verbesserte Speichertechnik noch effizienter, neue Konzepte werden möglich.

Referenten der EAST Energy And Storage Technologies am 16./17.09.2019 in Erfurt (9): Vortragender über den Rechtsrahmen für Energiespeicher und die Einflüsse aus Europa durch das Winterpaket

Aktuell schon bestehende dezentrale Versorgungskonzepte werden durch verbesserte Speichertechnik noch effizienter, neue Konzepte werden möglich.

Dr. Florian Wagner: Ohne Speicher wird die Energiewende nicht funktionieren.

Am 16./17. September 2019 startet die erste EAST Energy And Storage Technologies exhibition & conference im CongresCenter der Erfurter Messe.

In loser Folge interviewt im Vorfeld AKTUELLES Redner, die in den verschiedenen Workshops mit ihren Themen zum Gelingen der EAST beitragen.

Heute gelten die Fragen Dr. Florian Wagner, der im Workshop Finanzierungen, Start-ups, rechtliche Rahmenbedingungen, internationale Zusammenarbeit über den Rechtsrahmen für Energiespeicher und in diesem Zusammenhang über die Einflüsse aus Europa durch das Winterpaket berichtet.

Herr Dr. Wagner, Sie sind seit 2010 angestellter Rechtsanwalt bei Becker Büttner Held am Standort Erfurt. 2018 erhielt BBH den JUVE Award als Kanzlei des Jahres für Energiewirtschaftsrecht. Können Sie hierzu kurz berichten?

Nun ja, BBH ist ein führender Anbieter von Beratungsdienstleistungen für Energie- und Infrastrukturunternehmen und deren Kunden. Den Kern unserer Mandantschaft bilden zahlreiche Energie- und Versorgungsunternehmen, vor allem Stadtwerke, Kommunen und Gebietskörperschaften, Industrieunternehmen sowie internationale Konzerne. Diese und viele Unternehmen und Institutionen aus anderen Bereichen unterstützt BBH sowohl in allen Rechtsfragen als auch betriebswirtschaftlich und strategisch. Daher hat es uns natürlich sehr gefreut, dass die Jury BBH als Kanzlei des Jahres ausgezeichnet hat. „Kreativität ist ein Markenzeichen der multidisziplinären Kanzlei. Mit viel Verve etabliert sie regelmäßig neue Beratungsprodukte“, so die Bewertung der Jury. Neben der fachlichen Expertise gehörten auch die strategische Ausrichtung, die Service­orientierung und das Zukunftspotenzial zu den Auswahlkriterien.

Daher bedanke ich mich auf diesem Wege nochmal bei unseren Mandanten und Mitarbeitern, die es ermöglicht haben, gemeinsam eine verantwortungsvolle und nachhaltige Beratung so aufzubauen, dass die Kanzlei nun mit einem JUVE Award ausgezeichnet worden ist.

Sie befassen sich mit allen Fragen des Netzzugangs und der Energiebelieferung, insbesondere im Bereich Strom und Gas. Welche Rechtsfragen bilden dabei ihre aktuellen Schwerpunkte?

Neben meiner Tätigkeit beim Aufbau der Rechtsberatung an unserem Erfurter Standort, bei der ich mit einer Vielzahl von Beratungsthemen in Berührung komme, bin ich aktuell schwerpunktmäßig mit der Umsetzung dezentraler Versorgungskonzepte (u. a. in Zusammenarbeit mit der Wohnungswirtschaft) befasst.

Auf Seiten der Beratung von Energieversorgern ist die Umsetzung des Smart Meter Rollouts ein größeres Thema. Schließlich berate ich diverse Industrieunternehmen bei der Umsetzung von Energiekostenoptimierungen im Bereich der Netzentgeltreduzierung sowie der Besonderungen Ausgleichsregelung zur Begrenzung der EEG-Umlage. In diesem Bereich sind insbesondere die gesetzlichen Vorgaben zur „Drittmengenabgrenzung“ ein aktueller Dauerbrenner.

Neben ihrer Tätigkeit als Rechtsanwalt referieren und publizieren Sie regelmäßig. Können Sie bitte einige Bespiele hierfür nennen?

Als willkommene Abwechslung im Beratungsalltag führe ich regelmäßig Seminare und Workshops für unsere Mandanten durch. BBH bietet hier eine umfassende Palette an Informationsveranstaltungen an. Dadurch sind wir stets gezwungen, am Puls der Zeit zu sein und Themen bereits frühzeitig antizipieren zu können. Dabei ist stets auch der Austausch mit unseren Mandanten gewährleistet, sodass wir wertvolle Impulse für den Praxisbezug unserer Beratung erhalten. Daneben referiere ich häufiger bei energienahen Dienstleistern oder den IHK.

Im  Hinblick auf Publikationen bediene ich eine Reihe von Medien und habe schon in der RdE, et, IR, EnWZ sowie N&R Aufsätze veröffentlicht, um nur einige zu nennen. Daneben kommentiere ich diverse energierechtliche Normen, u. a. in Kommentierungen für den Erich Schmidt Verlag sowie im „Danner/Theobald“, einem Standardkommentar zum Energierecht.

Zur EAST Energy And Storage Technologies exhibition & conference am 16. und 17. September 2019 im CongressCenter der Erfurter Messe werden Sie als Referent im Workshop Finanzierungen, Start-ups, rechtliche Rahmenbedingungen, internationale Zusammenarbeit über den Rechtsrahmen für Energiespeicher und in diesem Zusammenhang über die Einflüsse aus Europa durch das Winterpaket sprechen. Können Sie einen kurzen Überblick zum EU-Winterpaket (4. Binnenmarktpaket) geben?

Wie die 3 Binnenmarktpakete zuvor, gibt es Konstanten – Themen, die weiterentwickelt werden –, aber auch ganz neue Themen auf der Europäischen Agenda. Stichwortartig enthält das Winterpaket Regelungen, die für Endkunden, das Thema Smart Metering, die Regulierung von Preisen relevant sind. Des Weiteren werden neue Marktrollen geschaffen und die Tätigkeitsbereiche hergebrachter Marktrollen neu konturiert. Ein paar Schlaglichter:

Die Information des Endkunden soll noch mehr verbessert werden, dabei geht es um mehr Transparenz z. B. von Rechnungen und die Einführung von Vergleichsinstrumenten für Haushalte und Kleinstkunden, verbesserte Streitschlichtung unter Einbindung des Lieferanten und, last but not least, die Einführung des Lieferantenwechsels innerhalb von max. 24 Stunden ab 2026.

Als neue Marktrollen werden Bürgerenergiegemeinschaften etabliert und wir werden „Aggregatoren“ und „Aktive Kunden“ als neue Player dazubekommen, was insbesondere auch im Zusammenhang mit der (Regel-)Energievermarktung und der Rolle von Speichern interessant werden wird.

Für Netzbetreiber wird auch interessant, inwieweit hier ein Betrieb von Speichern noch in dieser Marktrolle zulässig ist, was gleichsam bei der nationalen Umsetzung von Vorgaben für den Betrieb von Ladeinfrastruktur für E-Mobility relevant wird.

Welche Relevanz besitzt der Rechtsrahmen für Energiespeicher, ihrer Meinung nach, im Gesamtkontext der Energiewende? 

Speichertechnologien sind für die Energiewende natürlich von großer Bedeutung. Ohne Speicher wird die Energiewende nicht funktionieren. Die Erneuerbaren Energien haben durch das Bewusstsein um den fortschreitenden Klimawandel, durch den Atomausstieg und durch die Steigerung der eigenen Wirtschaftlichkeit in Deutschland ihr Nischendasein verlassen und weisen hohe Wachstumsraten auf. Mit dem steigenden Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromproduktion in Deutschland gewinnt das Lastmanagement an Bedeutung. Die Stromproduktion und Stromnachfrage schwanken im Zeitverlauf. Bei starkem Wind und geringer Stromnachfrage ist es wichtig, dass überschüssiger Strom gespeichert werden kann, um dann, wenn die Nachfrage die Produktion übersteigt, auf gefüllte Speicher zurückgreifen zu können.

Aktuell schon bestehende dezentrale Versorgungskonzepte werden durch verbesserte Speichertechnik noch effizienter, neue Konzepte werden möglich. Um ein Beispiel herauszugreifen: Gerade im Bereich der neuen Mobilität, sind neue Speichertechnologien der Enabler der Energiewende.

Können Sie abschließend Aspekte benennen, die aus ihrer Sicht, zum Gelingen einer erfolgreichen Energiewende notwendig sind oder den Weg skizzieren der hierfür gegangen werden müsste?

Das ist natürlich ein weites Feld. Ich will mal einen Aspekt herausgreifen – das Thema Sektorkopplung von Strom, Wärme und Verkehr. Hier kommen die Themen zusammen, die – das hat die jüngste Wahl zum Europaparlament gezeigt – die Bürger interessieren und bei denen wir über die klimapolitischen Implikationen auch das Thema Akzeptanz adressieren können.

Die Änderungen, die im Rahmen der Energie- (und Klima-)wende auf die Bevölkerung zukommen, können aus meiner Sicht nur erfolgreich bewältigt werden, wenn die Bevölkerung mitgenommen wird. Und hier wird die Politik die Aufgabe haben, neu entstehende Kostenbelastungen stärker als in der Vergangenheit im Gesamtkontext zu erklären und zu rechtfertigen.

Es wird auch unangenehme Auswirkungen auf alte Gewohnheiten geben – wenn das Thema der netzdienlichen Steuerung vom EE-Anlagenbetreiber stärker in den Fokus rückt (Stichwort: Redispatch nach NABEG 2.0) und auch Besitzer von E-Autos nicht ohne Gegenleistung die Laternen in der Straße zum Flackern bringen dürfen. Entsprechende Regelungen sind im Werden – es bleibt spannend.

Justitia – Sinnbild der Gerechtigkeit. Foto: Pixabay

Kurzvita

  • Geboren 1978 in Wolfsburg
  • Verheiratet, 4 Kinder
  • 1998 bis 2003 Studium der Rechtswissenschaften an der Freien Universität Berlin
  • Ab 2004 Dissertation zur Einzelfreistellung vom Kartellverbot des Unionskartellrechts
  • 2007 bis 2009 Referendariat beim Kammergericht Berlin mit Station u. a. in der Kartellrechtsabteilung einer führenden internationalen Anwaltssozietät
  • Seit 2010 Rechtsanwalt bei BBH
  • 2016 Promotion zum Dr. jur. an der Freien Universität Berlin
  • Umfassende Publikations- und Vortragstätigkeit

 

Tätigkeitsfeld

  • Allgemeines Energie- und Energiewirtschaftsrecht
  • Vertragsgestaltung und allgemeines Zivilrecht
  • Regulierungsmanagement

Florian Wagner befasst sich schwerpunktmäßig mit allen Fragen des Netzzugangs und der Energiebelieferung, insbesondere im Bereich Strom und Gas. Rechtsfragen der Energievermarktung und des Smart Meter Roll-Outs bilden aktuelle Schwerpunkte.