Im Umfeld von Jena soll ein zukunftsorientiertes, nahezu autarkes Wohngebiet geschaffen werden, das die Ruhe und Freiheit von Randlagen nutzt und infrastrukturell an die Zentren angegliedert wird.

Referenten der EAST Energy And Storage Technologies am 16./17.09.2019 in Erfurt (2): Vortrag über “Energiespeicher – Vom Smarten Quartier zum Smarten Village”

Im Umfeld von Jena soll ein zukunftsorientiertes, nahezu autarkes Wohngebiet geschaffen werden, das die Ruhe und Freiheit von Randlagen nutzt und infrastrukturell an die Zentren angegliedert wird.

Gunar Schmidt: Die Vision eines Smart Village wird als Chance zur Weiterentwicklung der Zusammenarbeit für die Stadt Jena und dem Landkreis gesehen.

Am 16./17. September 2019 startet die erste EAST Energy And Storage Technologies exhibition & conference im CongressCenter der Erfurter Messe. In loser Folge interviewt im Vorfeld AKTUELLES Redner, die in den verschiedenen Workshops mit ihren Themen zum Gelingen der EAST beitragen. Heute gelten die Fragen Gunar Schmidt, der im Workshop IKT / Digitale Vernetzung intelligenter Speicher über “Energiespeicher – vom Smarten Quartier zum Smarten Village” berichtet.

Herr Schmidt, Sie verfolgen als Jenaer Stadtwerke die Vision von einem Smart Village. Wie entstand diese?

Die Stadtwerke Jena Gruppe steht in der Stadt und der Region Jena traditionell in der Rolle eines Rundumversorgers, denn in dieser

Unternehmensgruppe liegen die Kompetenzen Energie, Wohnen, Mobilität, Freizeit und weitere Dienstleistungen in einer Hand.

So entstand die Vision von einem Smart Village: Im Umfeld von Jena soll ein zukunftsorientiertes, nahezu autarkes Wohngebiet geschaffen werden, das die Ruhe und Freiheit von Randlagen nutzt und infrastrukturell an die Zentren angegliedert wird.

Im Smart Village werden die Themen der Energieversorgung, schnelle Internetanbindung und Mobilitätskonzepte miteinander vernetzt.

Dabei werden smarte Lösungen des Wohnens, der Gesundheit, des Einkaufens, der Logistik und der Bildung implementiert.

Hierzu stehen die Stadtwerke im engen Austausch mit dem Saale Holzlandkreis, um dort die Potenziale zu nutzen.

Die Vision eines Smart Village wird als Chance zur Weiterentwicklung der Zusammenarbeit für die Stadt Jena und dem Landkreis gesehen.

Über welche Zeiträume denken Sie die Entwicklung eines Smart Village?

Die Abstimmungen zur Umsetzung eines Smart Village durch die Standortwahl ist nicht kurzfristig realisierbar.

Um jedoch die Prozesse für das Smart Village bereits heute zu erproben, ist die Idee für das konkrete Projekt Smartes Quartier Jena-Lobeda entstanden.

Dabei handelt es sich um eine grundhafte Sanierungsmaßnahme eines Plattenbaus aus den 1980er Jahren, welche mit digitalen Services für das Quartier erweitert wird.

Das Projekt Smartes Quartier Jena-Lobeda wird im Zeitraum Q1/2019 bis Q4/2021 realisiert werden.

Gibt es abgegrenzte Etappen auf diesem Weg?

Das Projekt unterteilt sich in drei Bauabschnitte. Dadurch können wir Erkenntnisse aus Prozessen des ersten Bauabschnittes in die folgenden Bauabschnitte einfließen lassen. Das Ziel der Projektbeteiligten ist es, die Erkenntnisse aus dem smarten Quartier Jena-Lobeda in den ländlichen Raum und weitere Teile von Jena zu übertragen.

Inwieweit spielen moderne Speicher-Konzepte in Ihren Überlegungen eine Rolle?

Die Vision eines zukunftsorientierten Smart Village beinhaltet Komponenten der Energieerzeugung und Speicherung. Für das konkrete Projekt Smartes Quartier prüfen wir derzeit den Einsatz von Speicherlösungen.

Haben Sie Unterstützung seitens der Thüringer Landesregierung?

Das Thüringer Wirtschaftsministerium hat Jena zur Modellregion für Digitalisierungsprojekte ernannt und hat für das Projekt Smartes Quartier Unterstützung zugesagt. Dabei haben wir insbesondere die Unterstützung durch die Staatssekretärin Valentina Kerst.

Kurzvita

Familienstand: verheiratet, 2 Kinder (5 und 14 Jahre)

Studium der Wirtschaftswissenschaften – Vertrieb und Marketing

Studium der Ingenieurwissenschaften – Energie Betriebsmanagement

2002 – 2007

Ohra Hörselgas GmbH, Stellvertretender Leiter Versorgungsbereich Netze

2007 – 2013

Stadtwerke Tübingen GmbH, Leiter Technischer Service

seit 2013

Mitglied im DVGW Arbeitskreis „Betriebsführung Gasverteilung“

 

2013 – 2016

Stadtwerke Energie Jena Pößneck GmbH, Bereichsleiter Technisches Management (Netze und Erzeugung)

seit 2015

Lehrauftrag an der Technischen Hochschule Bingen, Thema: „Strategisches Asset Management für Energie- und Wasseranlagen“

seit 2017

Stadtwerke Jena Netze GmbH, Geschäftsführer

Leiter des Notfall- und Krisenstabes der Stadtwerke Jena

Mitglied im Vorstand Gas der DVGW Landesgruppe Mitteldeutschland

Gelungene Auftaktveranstaltung der Leipziger LBBW-Podiumsdiskussion “Talk im Turm @Energie.net” beschäftigt sich mit zentralem Thema der Integrierten Energiewende

Gelungene Auftaktveranstaltung der Leipziger LBBW-Podiumsdiskussion “Talk im Turm @Energie.net” beschäftigt sich mit zentralem Thema der Integrierten Energiewende

Geschäftsführer Vi-Strategie GmbH moderiert in der European Energy Exchange AG spannende Tour d´Horizon über “Speichermedien in der Energiewende”

 

“Talk im Turm” ist der Auftakt zu einer neuen Veranstaltungsreihe der LBBW zum Thema Energie, zu der die Landesbank voraussichtlich einmal im Jahr nach Leipzig einladen wird. “Ziel der Veranstaltung”, so in der Einladung, “ist es, eine Diskussionsplattform für die verschiedenen Akteure der Energiewende zur Verfügung zu stellen und miteinander sowie Sektor übergreifend ins Gespräch zu kommen. Wir freuen uns sehr diesen ersten ´Talk im Turm´ mit Hilfe der EEX-Gruppe durchführen zu können.” Die Veranstaltung, in den Räumen der European Energy Exchange AG am 20. September 2018 vom Geschäftsführer der Vi-Strategie GmbH moderiert, war eine spannende Tour d´Horizon über “Speichermedien in der Energiewende“.

Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit/Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Akzeptanz, so lässt sich das Zieldreieck der Energiewende als Zielviereck beschreiben. Damit der Erfolg der Energiewende anhält, müssen gemeinsam mit Wirtschaft und Politik Bürger an einem Strang ziehen – möglichst mit Energieprojekten, von denen alle profitieren. Die nächste Phase der Energiewende wird die Bürger stärker als heute berühren.

Zugleich muss sich die Energiewende, so wie es die jüngst veröffentlichte Studie der Deutschen Energie-Agentur fordert, zur “Integrierten Energiewende” wandeln. Ein ganzheitlicher Ansatz über die verschiedenen volkswirtschaftlichen Sektoren wird verlangt, Grundsatzentscheidungen zur Energieinfrastruktur, zum künftigen Mobilitätskonzept sowie im Immobilienbereich werden angemahnt.

Das bietet viele Chancen für die Treiber der Energiewende. Verkehrs-, Energie- und IT-Infrastruktur sind insgesamt deutlich intensiver über die Sektoren integriert zu planen und die Abgaben- sowie Steuersystematik stärker an den Energiewendezielen auszurichten.

In 2017 wurde in Europa zum ersten Mal mehr Strom aus Wind, Sonne und Biomasse als durch Kohle erzeugt. Dieser Trend soll und wird sich fortsetzen. So strebt beispielsweise die Bundesregierung bis 2030 einen Ökostrom-Anteil von 65 Prozent in Deutschland an; bis 2050 soll die Energieproduktion Deutschland nahezu CO₂-neutral aus erneuerbaren Energiequellen erfolgen. Dabei könnte sich der Strombedarf bis 2050 nahezu verdoppeln. Als Folge müsste die Kapazität der Windkraft- und Photovoltaikanlagen auf ein Fünf- bis Siebenfaches anwachsen.

Beide Energieformen, Wind- und Sonnenenergie, sind nicht kontinuierlich verfügbar und bedürfen daher erheblicher Speicherkapazitäten. Vielerorts wird generell über Speicher-Konzepte nachgedacht, die mitunter sogar bereits im Praxistest erprobt werden.

In der EEX des MDR Towers in Leipzig fand die Auftaktveranstaltung der LBBW-Podiumsdiskussion “Talk im Turm @Energie.net” statt. Foto: Dominik Probst.


Im Film-Interview nach der Podiumsdiskussion “Talk im Turm @Energie.net“ v. l. n. r.: Peter Kröger, Bereichsleiter Unternehmenskunden Region Ost der LBBW, Rainer Otto, Geschäftsführer der Vi-Strategie GmbH, und Thoma Christian Schulz, Bereichsleiter Infrastruktur und Transportfinanzierungen der LBBW. Den Film können Sie in Kürze im YouTube-Energy-Channel Vi-Strategie GmbH sehen. Foto: ALUMATEL.

So versuchen beispielsweise Stadtwerke, über Wärmespeicher-Konzepte die Fahrweise ihrer Kraftwerke zu optimieren und dabei zugleich Voraussetzungen für den Einsatz grüner Gase zu schaffen, und Flächenversorger sammeln Erfahrungen beim Einsatz von Batterie-Speichern im Rahmen von Regelenergie-Konzepten.

Solar- und Windanlagenbauer kreieren für ihre Kunden Geschäftsmodelle, die Speicher-Konzepte berücksichtigen, und Kavernen-Betreiber für grüne Gase.

Die Liste der Speicher-Projekte ist umfangreich und wird, den derzeitigen energierechtlichen Rahmen außer Acht lassend, durch Geschäftsidee, Geschäftsmodell, technische Erfordernisse sowie Stand von Wissenschaft und Technik bestimmt.

Selbst die Leipziger Strombörse EEX ist beteiligt und sieht regulatorischen, marktlichen und technischen Handlungsbedarf.

Das Thema “Speichermedien in der Energiewende” markiert somit einen gelungenen Auftakt der LBBW-Podiumsdiskussionsreihe, denn die Energiewende basiert auf Innovationen, und Speicher-Konzepte sowie Speicher liefern infolge ihrer Schnittstellenfunktion Lösungen energiewirtschaftlicher Fragestellungen und evozieren dabei zahlreiche Neuerungen, so dass die verschiedenen Facetten der Integrierten Energiewende in der LBBW-Veranstaltung erörtert werden konnten.

Nach Begrüßung durch Iris Weidinger, CFO der EEX, und Thomas Christian Schulz, Global Head of Infrastructure and Transportation Finance der LBBW, folgte seitens Jörg Müller, Gründungsvorstandsvorsitzender der ENERTRAG AG, der Einführungsvortrag zum Thema “Warum ist Wachstum von Technologien der Energiewende für viele Beteiligte so überraschend?”.

Dem interessierten Leser sei der kluge und bedenkenswerte Vortrag unter folgendem Link empfohlen: https://enertrag.org/2018/09/17/warum-ist-das-wachstum-von-technologien-der-energiewende-fuer-viele-beteiligte-so-ueberraschend/.

In der Podiumsdiskussion mit

  • Maximilian Rinck, EPEX SPOT SE
  • Hans-Ulrich Thiel, Geschäftsführer Heizkraftwerke Halle-Trotha GmbH (in kurzfristiger Vertretung von Olaf Schneider, Geschäftsführer EVH)
  • Oliver Hill, Generalbevollmächtigter und Direktor Konzernentwicklung der VNG AG
  • Udo Möhrstedt, Gründungsvorstandsvorsitzender der IBC SOLAR AG
  • Tobias Struck, Geschäftsführer der Batteriespeicher Schwerin GmbH & Co. KG

wurden die Gemeinsamkeiten, aber auch die unterschiedlichen Ansätze beim Einsatz von Speichermedien in der Energiewende deutlich.

AKTUELLES informiert hierüber im Nachgang zur Veranstaltung mit einzelnen Interviews in diesem Blog sowie mit Filmen auf dem YouTube-Energy-Channel Vi-Strategie GmbH.

Ann-Christin Stück


Ann-Christin Stück
Projektleitung

Kurz-Vita

Studium Medienwirtschaft und Medienmanagement an der DIPLOMA Hochschule Bad Sooden-Allendorf und parallel Tätigkeiten in der Wirtschaft.

Ihre Schwerpunkte sind betriebswirtschaftliche Fragestellungen, Unternehmenskommunikation, Medienarbeit sowie Eventorganisation und Public Relations.

In ihrer Abschlussarbeit beschäftigte sie sich mit dem Einfluss der Energiewende auf die Geschäftsmodelle kommunaler Stadtwerke.